Jedes Jahr im Sommer sitzen am Rothenbaum Kinder auf den Rängen, die nach dem Turnier selbst einen Schläger in die Hand nehmen wollen. Die Frage der Eltern ist dann meist dieselbe: Wo fängt man an, und wie viel Training braucht ein Kind überhaupt? Hamburg hat eine dichte Vereinslandschaft, aber nicht jeder Club passt zu jedem Kind.
Wir haben uns angesehen, wie der Einstieg in Hamburg abläuft, welche Altersstufen es gibt und wie der Weg aussieht, wenn aus dem Hobby mehr werden soll. Wer wissen möchte, wo die heutigen Profis angefangen haben, findet in unseren Spielerprofilen erstaunlich viele Vereinsgeschichten.
Der Einstieg: Kleinfeld und weiche Bälle
Kinder unter zehn Jahren spielen heute fast nirgends mehr auf dem großen Feld. Sie beginnen auf einem verkleinerten Platz mit niedrigem Netz und weichen, langsamen Bällen. Die Bälle sind farblich markiert: rot für die Jüngsten, dann orange, dann grün, bevor der normale gelbe Ball kommt. Das klingt nach Spielerei, ist aber durchdacht. Mit einem langsamen Ball schafft ein Sechsjähriger einen Ballwechsel über das Netz, statt nach jedem Schlag hinter dem Ball herzulaufen. Der Hamburger Tennisverband erklärt das System unter dem Stichwort DTB-Kindertennis ausführlich und listet auch Vereine, die danach arbeiten.
Woran Sie einen guten Verein erkennen
Die Unterschiede zwischen Hamburger Vereinen sind groß. Manche haben eine Halle für den Winter, andere spielen von Oktober bis April gar nicht. Manche setzen auf Breitensport, andere auf Mannschaften in hohen Ligen. Für ein Kind, das gerade anfängt, zählt vor allem, ob es eine feste Kindergruppe mit gleichaltrigen Mitspielern gibt. Einzeltraining ist am Anfang selten nötig und teuer. Eine Gruppe von vier bis sechs Kindern mit einem lizenzierten Trainer reicht für die ersten zwei Jahre völlig.
- Eine eigene Kindergruppe mit festen Zeiten, nicht nur offenes Training für alle.
- Winterangebot: Halle oder Kooperation mit einer Halle, sonst ist im Herbst Schluss.
- Trainer mit Lizenz des Verbands, nicht nur engagierte Eltern.
- Mannschaften: Gibt es Kinder- und Jugendteams, die an Punktspielen teilnehmen?
- Ein Schnuppertraining, bevor der Aufnahmeantrag unterschrieben wird.
Wer erst einmal herausfinden will, welche Vereine im eigenen Stadtteil überhaupt Tennis anbieten, findet über die Vereinssuche des Hamburger Sportbunds eine Übersicht nach Bezirk und Sportart. Das spart viele Telefonate.
Der Weg nach oben: Sichtung und Kader
Wenn ein Kind mit acht oder neun Jahren deutlich besser spielt als die Gruppe, kommt irgendwann die Frage nach mehr Förderung. In Hamburg läuft das über die Talentsichtung des Verbands. Dort werden Kinder eingeladen, die bei Turnieren oder im Verein aufgefallen sind. Wer überzeugt, kommt in einen Kader und trainiert zusätzlich zum Verein an zentralen Stützpunkten. Das bedeutet mehr Training, mehr Turniere und mehr Fahrerei für die Familie. Eltern sollten sich gut überlegen, ob das Kind diesen Weg wirklich will oder ob der Wunsch eher bei den Erwachsenen liegt.
Ein Blick in die Turnierlisten zeigt, wie früh der Wettbewerb beginnt. Schon in der Altersklasse U10 gibt es regionale Ranglisten, ab U12 werden Turniere bundesweit gespielt. Gleichzeitig hören viele Talente mit 14 oder 15 Jahren ganz auf, weil Schule, Freunde und der Leistungsdruck nicht mehr zusammenpassen. Ein guter Trainer erkennt das früh und spricht offen darüber.
Schule und Training unter einen Hut bringen
Spätestens ab der weiterführenden Schule wird die Organisation zur eigentlichen Herausforderung. Kadertraining findet oft am Nachmittag statt, Turniere am Wochenende, und dazwischen liegen Klassenarbeiten. In Hamburg gibt es Schulen mit Sportprofil, die Trainingszeiten im Stundenplan berücksichtigen und Freistellungen für Turniere erleichtern. Für die meisten Kinder reicht aber ein normaler Schulalltag mit zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche völlig aus.
Die Belastung sollte langsam steigen. Sportmediziner raten dazu, in jungen Jahren mehrere Sportarten zu betreiben, statt sich zu früh auf eine festzulegen. Wer neben dem Tennis Fußball spielt, schwimmt oder turnt, entwickelt eine breitere Koordination und verletzt sich seltener. Viele spätere Profis haben bis zum Alter von zwölf oder dreizehn Jahren noch einen zweiten Sport betrieben.
Auch die Eltern spielen eine Rolle, die oft unterschätzt wird. Sie fahren zum Training, sitzen bei Turnieren am Zaun und trösten nach Niederlagen. Trainer berichten immer wieder, dass Kinder am besten spielen, wenn die Eltern ruhig bleiben und das Ergebnis nicht zum Thema beim Abendessen machen.
Was es kostet
Die Kosten schwanken stark. Ein Vereinsbeitrag für Kinder liegt in Hamburg oft zwischen 100 und 300 Euro im Jahr, dazu kommt das Gruppentraining, das je nach Verein extra berechnet wird. Hallentraining im Winter ist meist teurer als die Sommersaison im Freien. Ein Einsteigerschläger für Kinder kostet unter 50 Euro, und mehr braucht es im ersten Jahr nicht. Teuer wird es erst, wenn Einzeltraining, Turnierreisen und Kaderbeiträge dazukommen.
Padel als Alternative für ältere Einsteiger
Nicht jeder Jugendliche will mit 13 noch die Technik vom Grundschlag aufwärts lernen. Für ältere Einsteiger kann Padel ein guter Weg sein, weil das Spiel schneller Spaß macht und der kleinere Platz weniger Laufarbeit verlangt. In Hamburg ist die Zahl der Anlagen zuletzt deutlich gewachsen, wie wir in unserem Beitrag zum Padel-Tennis in Hamburg beschrieben haben. Viele wechseln später trotzdem zum Tennis, weil sie dort ihr Gefühl für Ball und Schläger weiterentwickeln wollen.
Fazit: Erst Freude, dann Leistung
Der beste Einstieg ins Tennis ist eine Kindergruppe im Verein um die Ecke, mit weichen Bällen und einem Trainer, der Spaß vermittelt. Ob daraus ein Kaderplatz wird, zeigt sich nach einigen Jahren von selbst. Wer die Kinder vorher mit Ehrgeiz überlädt, verliert sie oft genau dann, wenn es spannend wird.