Wer krönt sich am Hamburger Rothenbaum – Basilashvili oder Mayer?

Im Vergleich zu Nikoloz Basilashvili ist eine Wundertüte null komma null überraschend. Das unterstrich der Georgier ein weiteres Mal im Halbfinale gegen Nicolas Jarry. Nachdem Basilashvili den ersten Satz mit 7:5 für sich entscheiden konnte – die Partie wurden zwischenzeitlich für fast zwei Stunden aufgrund starker Regenfälle unterbrochen – zeigte er auf einmal ein ganz anderes Gesicht: Sechs Spiele verlor der Weltranglisten-81. in Folge und damit den zweiten Durchgang zu Null. „Ich habe mich auf einmal etwas kraftlos gefühlt, dass passiert mir manchmal“, erklärte Basilashvili nach der Partie. Doch nach einer kurzen Pause – er verabschiedete sich in die Katakomben des „Center Court der Welt“ – drehte Basilashvili auf als wäre nichts passiert. In beeindruckender Art und Weise nahm er fortan seinen Kontrahenten auseinander und gab nur noch 13 Punkte im entscheidenden dritten Satz ab und siegte mit 7:5, 0:6, 6:1. Was war das für eine Achterbahnfahrt!

Für Basilashvili ist es der Einzug ins Rothenbaum-Finale der größte Erfolg seiner Karriere. „Für mich ist das ein wahr gewordener Traum, jetzt im Endspiel dabei zu sein.“, erzählte der Georgier, der nun sein siebtes Match in dieser Woche bestreiten wird, hatte er sich erst über die Quali für das Hauptfeld qualifizieren können. Der 26-Jährige erreichte bislang zweimal ein Finale auf der ATP-Tour. Doch sowohl in Kitzbühel 2016, als auch in Memphis 2017 verließ der den Platz als Verlierer. Nun hat Basilashvili eine Geheimwaffe im Ärmel, wird er seit zwei Monaten vom deutschen Trainer Jan de Witt betreut. „Er hat mir extrem geholfen. Sowohl mental aber auch in taktischen Bereichen.“ Gemeinsam soll es nun mit dem ersten Titel klappen, doch das wird gegen Leonardo Mayer gar nicht so einfach.

Das war eine unglaubliche Leistung, die Leonardo Mayer (ATP 36) gestern im Halbfinale gegen Jozef Kovalik (ATP 113) abgeliefert hat. Fast drei Stunden standen beide Kontrahenten in der Hamburger Hitze auf dem „Center Court der Welt“. Fast drei Stunden lieferten sie sich im ersten Aufeinandertreffen ein Duell auf Augenhöhe. Erst auf den letzten Metern gelang es dem Argentinier die entscheidende Nuance zuzulegen, um zum dritten Mal in seiner Karriere ins Endspiel des traditionsreichsten deutschen Tennisturniers einzuziehen. „Es war ein sehr hartes Match“, erklärte Mayer im Anschluss. „Ich habe mein Herz auf dem Court gelassen, musste aber auch an meinen Grenzen gehen. Zum Glück habe ich gewonnen.“

Man hat schon ein wenig das Gefühl, würde Mayer in Hamburg – seine Matchbilanz im hohen Norden ist 15:2 – nach Gold graben, er würde fündig werden. Wie schon 2014 und 2017, als der Mann aus Corrientes sensationell das Turnier für sich entscheiden konnte, spielt er auch in diesem Jahr wieder beeindruckendes Tennis auf der roten Asche. Sein Aufschlag ist präzise – Mayer wehrte im Halbfinale alle Breakbälle gegen sich ab -, seine Rückhand ist krachend, seine Netzangriffe angsteinflößend – das bekam auch der Qualifikant Kovalik zu spüren. Zwar konnte der Überraschungshalbfinalist den ersten Durchgang trotz 3:6-Rückstand im Tie-Break noch für sich verbuchen, doch in Satz zwei und drei legte der 31-jährige Mayer, angefeuert von Freundin Milagros Aventin und Söhnchen Valentino, einen unfassbaren Willen an den Tag. Mit seinem zweiten Matchball beendete er die Partie mit 6:7(6), 6:4, 7:6(7) und unterstrich ein weiteres Mal seine Ambition, der Erste seit Roger Federer 2005 zu werden, der es schafft, den Titel am Rothenbaum zu verteidigen.