„Manhagen Classics“: Der letzte Sieg

Das Abschiedsspiel kam gleich am Anfang: Turnierdirektor Michael Stich bat seinen alten Kumpel John McEnroe zum Match der Legenden auf den Center Court am Rothenbaum. Vor ausverkauftem Haus standen sich bei den Manhagen Classics zwei Spieler gegenüber, die es hassen zu verlieren. Nicht zuletzt deshalb ging es wohl gestern Abend über drei Sätze. Am Ende gewann Stich mit 7:6, 2:6 und den Match-Tie-Break nach 1:35 Stunden mit 10:7. „Die Spiele der Legenden waren immer ein Highlight der German Open“, sagte Hans-Heinrich Rüschmann, der als Liebhaber des Sports den Legenden-Matches zum Namen verhalf.

Mit Michael Stich bat ein Gentleman des weißen Sports das Enfant terrible zum Duell. 25 Jahre nach seinem Sieg am Rothenbaum nahm Stich noch ein letztes Mal den Schläger in die Hand und gab dort seinen endgültigen Abschied. Auf der anderen Seite stand John McEnroe. Beide siegten 1992 gemeinsam im Doppel von Wimbledon. Gegen Jim Grabb/Richy Reneberg (USA) hieß es 5:7, 7:6, 3:6, 7:6 und schließlich 19:17. Es war das längste Doppel-Finale der Wimbledon-History. Beide sind Freunde geworden. Nicht nur deshalb sagte McEnroe für das Match in Hamburg sofort zu. „Aber deshalb hättest du mich hier nicht schlagen müssen“, meinte „BigMac“. Die 7500 Zuschauer quittierten die Darbietung mit lang anhaltendem Beifall. Natürlich kamen die Aufschläge nicht mehr so präzise wie früher. Aber in der Geschwindigkeit wurden mit 174 km/h immer noch Topwerte erreicht. Der zweite Aufschlag glich manchmal einem Einwurf, aber das war zwischendrin auch ein taktisch es Manöver. Immer wieder ließen die beiden Akteure ihre Klasse aufblitzen. Serve & Volley, Stopps, Lobs, Rückhand und Vorhand-Peitschen, die auch gerne einmal cross gespielt wurden, ließen die Besucher in Erinnerungen vergangener Tage schwelgen. Die Mondbälle, die von Stich und McEnroe immer wieder einmal eingestreut wurden, dienten eher zum Luftholen. Vielleicht war es am Ende auch das Alter, das den Ausschlag gab. Schließlich ist Stich zehn Jahre jünger als der Amerikaner. Dieser zeigte außerdem, dass er über die Jahre ruhiger geworden ist. Anstelle seiner Schimpfkanonaden trank er lieber einen Schluck Bier, das ein Zuschauer ihm reichte.

„Es war uns eine Ehre. Danke, dass ihr gekommen seid und uns diesen Abschied bereitet habt“, sagte Stich. Seine Stimme stockte. „Es ist ein Gefühl der Freude und Wertschätzung, dafür möchte ich von Herzen danken.“ Beide Spieler köpften je eine Schampus-Flasche und hielten die Fontäne auf ihren Gegenüber. „Wir sind hier nicht bei der Formel I, aber heute ist alles erlaubt“, meinte Stadionsprecher Matthias Killing. An der Stelle, an der Stich 1993 als bislang letzter deutscher Spieler den Pokal in den Abendhimmel reckte, bestritt er gestern seinen letzten Schaukampf. Nach dem zweiten Matchball fiel Stich auf die Knie und warf sein Racket weg. Einen besseren Auftakt konnte das 112. Turnier für die Tennisfans in der Hansestadt nicht bekommen. Ab heute können der topgesetzte Dominic Thiem sowie die weiteren 31 Spieler des Hauptfeldes ihr Können demonstrieren.