Kohlschreiber lässt sich nicht beirren, Struff zu viele Chancen liegen

Der Traum von einem deutschen Turniersieger lebt weiter! Philipp Kohlschreiber ist Florian Mayer mit einer guten Leistung ins Viertelfinale der German Open 2017 gefolgt. Nachdem Kohlschreiber sich in drei Sätzen gegen Gilles Simon durchsetzte, ließ Jan-Lennard Struff allerdings eine große Chance verstreichen.

Die 5000 Zuschauer auf dem „Center Court der Welt“ bekamen zwischen Kohlschreiber und Gilles Simon ein Match zweiter echter Stilisten geboten. Kohlschreiber kam in der Neuauflage des Hamburg-Achtelfinals aus dem Jahr 2014 besser aus den Startlöchern, trieb den Franzosen mit seinen hohen Topspin-Schlägen schon im dritten Spiel zum Verzweifeln und sicherte sich das frühe Break. Der Augsburger agierte konzentriert, spielte noch variabler als sein Gegner und holte sich nach 35 Minuten den Eröffnungsdurchgang mit 6:3. In Satz zwei kam der deutsche Davis Cup-Spieler aber etwas von seiner Linie ab, ließ die nötige Geradlinigkeit vermissen und produzierte jetzt viel zu viele Fehler. Zwar konnte er ein frühes Break noch egalisieren, dennoch kassierte er den Satzausgleich. „Eigentlich war der zweite Satz auch nicht so schlecht. Aber Gilles hat da in den wichtigen Momenten die Punkte gemacht. Ich denke wir haben beide ein super Spiel gezeigt und mussten viel Laufarbeit verrichten. Gerade mit dem ersten und dritten Satz bin ich aber sehr zufrieden“, analysierte Kohlschreiber nach der gut zweistündigen Partie. Der Deutsche agierte in der entscheidenden Frage wieder deutlich konsequenter – vor allem im Ausnutzen seiner Breakchancen – und war früh auf der Siegerstraße, von der er sich auch nicht mehr abbringen ließ. Nach 121 Minuten verwandelte der 33-Jährige seinen ersten Matchball und zog zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren ins Rothenbaum-Viertelfinale ein.

Jan-Lennard Struff ließ dagegen nach seinem Match seinem Frust freien Lauf. Beim Verlassen des „Center Courts der Welt“ war die deutsche Nummer drei so enttäuscht, dass er seinen Schläger auf einem Pfosten gleich mehrfach kaputtschlug.  Der Warsteiner war zuvor in zwei Sätzen dem „Lucky Loser „Leonardo Mayer unterlegen. Struff musste schon früh im ersten Satz den Aufschlagverlust hinnehmen. Der 27-Jährige brauchte zu lange, um seinen Rhythmus zu finden und machte zu viele vermeidbare Fehler von der Grundlinie. 2:6 hieß es so nach Durchgang eins.

Den zweiten Satz konnte die Nummer 54 der Weltrangliste deutlich ausgeglichener gestalten. Mehr noch! Struff holte sich sogar zwei Möglichkeiten zum Break, hatte dadurch die Chance zum Satzausgleich. Nutzen konnte er aber keine. Stattdessen kam, was kommen musste. Mayer, der Hamburg-Sieger von 2014, ließ sich im folgenden Aufschlagspiel des Deutschen nicht zweimal bitten, holte sich, nachdem Struff einige große Chancen liegen ließ, das einzige Break des Satzes und gewann die Partie mit 6:2, 7:5. Für Jan-Lennard Struff war es die große Chance sein erstes Viertelfinale bei einem Turnier dieser Größenordnung zu erreichen – die große Enttäuschung ist also verständlich. Schade „Struffi“, da war mehr drin!

Federico Delbonis stellte unterdessen einmal mehr unter Beweis, dass der Hamburger Rothenbaum zu seinen Lieblingsturnieren auf der ATP World Tour zählt. Der Argentinier hat sich bereits zum zweiten Mal nach 2013 durch die Qualifikation bis ins Viertelfinale gespielt. Delbonis revanchierte sich bei David Ferrer für die in der Vorwoche in Bastad erlittene Erstrunden-Niederlage und gewann mit 7:5, 6:3. Ferrer fehlte nach seinem Turniererfolg in Schweden der nötige Punch in den entscheidenden Phasen und musste zudem gleich sechsmal seinen Aufschlag abgeben. Als zweiter Argentinier erreichte etwas überraschend Nicolas Kicker das Viertelfinale. Der Bezwinger von Tommy Haas, der seit neuestem auch einen österreichischen Pass besitzt und sogar für das rot-weiß-rote Davis Cup-Team spielberechtigt wäre machte in einem äußerst engen und ausgeglichenen Duell am Ende einen Punkt mehr als Benoit Paire und gewann 6:4, 7:6 (7). Einen überzeugenden Zwei-Satz-Sieg feierte Jiri Vesely, der nach dem 6:4, 6:4 über Horacio Zeballos auch im dritten Duell mit dem Argentinier ohne Satzverlust ist.