Drei Deutsche Siege zum Auftakt am Rothenbaum

Mit Cedrik-Marcel Stebe, Florian Mayer und Jan-Lennard Struff haben gleich drei deutsche Turnierhoffnungen am ersten Tag der German Open 2017 für positive Schlagzeilen gesorgt.

Die Erleichterung stand Cedrik-Marcel Stebe ins Gesicht geschrieben. Nach dem Zwei-Satz-Sieg über Damir Dzumhur riss er die Arme hoch und genoss einfach nur den Moment. Verständlich, in Anbetracht seiner Geschichte. Im September 2012 feierte Stebe in Hamburg sein Davis Cup-Debüt und sicherte der deutschen Mannschaft mit dem entscheidenden Sieg gegen Australien den Verbleib in der Weltgruppe. Die damalige Nummer 66 der Welt schlug dafür keinen geringeren als die ehemalige Nummer eins der Welt, Lleyton Hewitt.  Doch statt einer steilen Karriere folgte der Absturz. Zahlreiche Verletzungen zwangen den mittlerweile 26-Jährigen zu einer Pause von eineinhalb Jahren.

Am Montag meldete sich Stebe in Hamburg zurück: Beim Endstand von 6:3, 6:4 hatten beide Kontrahenten besonders mit dem eigenen Aufschlag zu kämpfen. Insgesamt gab es zehn Breaks, davon allein sieben in Durchgang eins. Letztlich behielt Stebe aber die Oberhand und gewann sein erstes Match bei einem Turnier dieser Größenordnung seit den Australian Open 2013. „Für mich ist es immer schön in Hamburg zu spielen, gerade aufgrund meiner Davis-Cup-Erfahrung“, sagte Stebe. „Ich fühle mich hier pudelwohl.“ In Runde zwei bekommt es Stebe nun mit dem Argentinier Diego Schwartzman zu tun, der sich gegen Andreas Haider-Maurer aus Österreich mit 6:2, 6:3 behauptete.

Auch Florian Mayer fühlt sich in der Hansestadt ähnlich wohl. Der 33-Jährige, aktuell die 101 der Welt, bezwang den Italiener Marco Cecchinato (ATP 104) ebenfalls in zwei Sätzen mit 7:5, 6:2. „Ich war zu Beginn tierisch nervös, denn Hamburg ist immer etwas Besonderes für mich“, erklärte der Bayreuther den engen ersten Durchgang. „Im zweiten Satz wurde ich locker und konnte auch spielerisch überzeugen.“ Sein Gegner im Achtelfinale wird heute – auf dem Center Court eröffnen die Nummer zwei der Setzliste Pablo Cuevas und Andrey Kuznetsov den Tag – ermittelt.

Am Abend löste mit Jan-Lennard Struff noch ein dritter Deutscher das Zweitrunden-Ticket. Gegen den Russen Evgeny Donskoy konnte der Warsteiner das erste Mal im vierten Vergleich gewinnen. Beim 6:3, 6:4 überzeugte er vor allem mit seinem ersten Aufschlag, gewann hier 92 Prozent der Punkte. „Es war ein schwieriges Match für mich“, analysierte Struff. „Am Sonntag verlor ich in der Bundesliga, kam abends spät in Hamburg an und bin zudem noch etwas angeschlagen. Aber ich habe sehr konzentriert gespielt.“ Für Struff ist es der erst zweite Sieg am Rothenbaum. In der nächsten Runde bekommt er es mit einem anderen Kaliber zu tun. Am Mittwoch trifft er auf den topgesetzten Spanier Albert Ramos-Vinolas oder Ex-Hamburg-Sieger Leonardo Mayer.

Keine Siege, aber reichlich Erfahrungen konnten die beiden Wildcard-Starter Maximilian Marterer (22) und Daniel Altmaier (18) sammeln, die beide erstmals auf dem Center Court spielen durften. Marterer schnupperte in seinem Match gegen Gilles Simon lange Zeit an einer Überraschung. Er schien den Hamburg-Sieger von 2011 spätestens beim Stand von 2:0 im dritten Satz entnervt zu haben. Beim Breakball drehte sich die Filzkugel nach einem Schlag des Deutschen derart knapp und spektakulär über die Netzkante, dass Simon nur noch ein verdutzter Blick blieb. Für Marterer war es der vierte Spielgewinn in Serie, vom 4:4 im zweiten Satz bis zum 6:4-Satzgewinn und eben jenem 2:0 im dritten Durchgang. Dann allerdings schlug der Franzose zurück. Erst zum 2:2, später mit einem Break zum 4:3. Marterer versuchte mit seiner krachenden Vorhand zwar noch einmal alles, konnte die 2:6, 6:4, 4:6-Niederlage aber letztlich nicht mehr verhindern. Am Ende blieb ein starker Auftritt gegen die Nummer 39 der Welt, der eine Vermutung nahe legt: Der Sprung von Maximilian Marterer unter die Top 100 der Welt dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein.

Auch Daniel Altmaier wusste in seinem Match durchaus zu begeistern – und begegnete Horacio Zeballos, Nummer 57 der Welt, lange Zeit auf Augenhöhe. Am Ende stand zwar ein 6:7, 4:6 auf der Anzeigetafel, doch der 18-jährige Youngster hatte vor allem im ersten Satz seine Chancen. Mit einem krachenden Ass ging er im Tiebreak mit 2:1 in Führung, war voll im Soll. Dann allerdings zeigte sich die ganze Erfahrung des 14 Jahre älteren Argentiniers, der sich die nächsten sechs Punkte sicherte.

Im zweiten Satz fiel die Entscheidung bereits in der Anfangsphase. Das erste Break zum 0:1 konnte Altmaier zwar direkt ausgleichen, den direkt folgenden Aufschlagverlust zum 1:2 dann aber nicht mehr. Dennoch zeigte sich der 18-Jährige durchaus zufrieden mit dem Auftritt: „Es war eine riesige Erfahrung, hier auf dem Center Court zu spielen. Ich habe die Atmosphäre in vollen Zügen genossen.“ Woran er zu feilen hat, wusste er aber auch: „Der Abstand zu den Topspielern ist nicht so riesig, aber ich muss mich körperlich noch verbessern.“ Tipps wird sich Altmaier dafür auch von seinem Doppelpartner holen können. Dieser ist nämlich kein geringerer als Tommy Haas. Geschunden von etlichen Verletzungen, zeigt sich Tommy auf seiner Abschiedstournee im Alter von 39 Jahren immer noch auf hervorragendem Level. Altmaier freut sich auf den Auftritt: „Das ist für mich eine große Ehre. Für ihn ist es der Abschluss einer großen Karriere – und für mich der Beginn.“

Einen guten Start ins Turnier feierte mit Benoit Paire einer der Mitfavoriten. Der an Position fünf gesetzte Franzose, der am Sonntag noch für Rot-Weiß Köln in der Tennis-Bundesliga spielte, siegte gegen Dimitry Tursunov aus Russland glatt mit 6:3, 6:2 und könnte nun auf Tommy Haas treffen. Das Erstrunden-Match des deutschen Routiniers, der in Hamburg zum letzten Mal bei einem deutschen Turnier aufschlägt, gegen Nicolas Kicker aus Argentinien (nicht vor 15 Uhr auf dem Center Court) ist das Highlight am Dienstag.