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„Chaleco Blanco!“ Cuevas wahrt die „weiße Weste“, Kohlschreiber scheitert

Jetzt gibt es kein Zurück mehr: Nach der Niederlage von Philipp Kohlschreiber gegen Rezo Olivo ist Pablo Cuevas aus Uruguay der Turnierfavorit Nummer eins. Die aktuelle Nummer 25 der Weltrangliste ist weiterhin ohne Satzverlust. Alle übrigen Halbfinalisten mussten über die volle Distanz gehen, um den Einzug in die Vorschlussrunde zu schaffen.

Pablo Cuevas (URU/3) – Paul-Henri Mathieu (FRA) 7:6, 6:1

Der Favorit aus Uruguay wurde seiner Favoritenrolle vollauf gerecht. Doch bis Pablo Cuevas nach 79 Minuten jubeln durfte, gab es ein hartes Stück Arbeit abzuliefern. Zumindest im ersten Durchgang. Beide Akteure servierten sehr konzentriert, hatten nur jeweils bei einem Aufschlagspiel Breakbälle abzuwehren. Der Tie-Break musste also die Entscheidung liefern. Hier nutzte Cuevas erst seinen vierten Satzball – und zwar extrem spektakulär! Mathieu verschätzte sich bei einem Lob seines Gegners total und der Ball klatschte gerade noch auf die Linie. Der zweite Satz entwickelte sich dann allerdings zu einer klaren Angelegenheit. Erst gelang dem Uruguayer, der das Match jetzt total dominierte und insgesamt 31 Winner schlug, das frühe Break zum 2:0, nur wenig später war beim 5:1 die endgültige Entscheidung gefallen. Beeindruckend: Cuevas hat im Turnierverlauf weiter keinen Satz und auch kein Aufschlagspiel abgegeben. Seine Weste glänzt also weiter blütenweiß.

Stephane Robert (FRA) – Guillermo Garcia-Lopez (ESP/8) 7:6, 4:6, 6:3

Der 36-jährige Franzose revanchierte sich bei seinem Konkurrenten für die Niederlage, die er in diesem Vorjahr in Estoril einstecken musste und setzte sich im engsten Match des Viertelfinalfreitags nach zweieinhalb Stunden durch. In einem phasenweise begeisternden Match zweier Ü 30-Spieler machte Robert nur fünf Punkte mehr als Garcia-Lopez und glänzte durch die richtige Mischung in seinem Spiel. Sowohl mit seiner starken Rückhand, als auch mit geschickt eingestreuten Stopps brachten er seinen Gegner immer wieder in Bedrängnis. Am Ende genoss er sichtlich die stehenden Ovationen des Hamburg Publikums. „Das war ein großer Fight und es war auch körperlich sehr anstrengend. Aber ich war mit einem Tennis in der Lage die Punkte immer wieder früh zu beenden. Das hat mir heute sicher enorm geholfen“, bilanzierte Robert.

Renzo Olivo (ARG) – Philipp Kohlschreiber (GER/1) 1:6, 6:0, 7:5

Philipp Kohlschreiber ist durch den argentinischen Underdog von seinem Weg ins Finale der German Open 2016 abgedrängt worden. Ein Sieg gegen Olivo war fest eingeplant, doch nach einem glatten 6:1 im ersten Satz kam der Augsburger völlig vom Kurs ab. Olivo holte sich den zweiten Satz in gerade einmal 25 Minuten mit 6:0 und sorgte damit für große Verwunderung auf dem „Center Court der Welt“. Im Entscheidungssatz schien der Deutsche dann wieder auf der Höhe zu sein, doch er brachte keinen seiner zwei Matchbälle im Feld unter. Eine 5:3-Führung war schnell dahin, Olivo gewann drei Spiele in Folge gegen die jetzt konsternierte Nummer eins des Turniers und nutzte seinerseits den ersten Matchball zum 7:5. Olivo sank auf die Knie und konnte seinen Triumph kaum fassen. Im Interview entschuldigte er sich sogar bei den Zuschauern, dass er den Lokalmatadoren aus dem Turnier befördert hatte.  „Ich bin an mir selbst gescheitert. Den Schläger würde ich am liebsten für längere Zeit weglegen“, kommentierte dagegen ein sichtlich enttäuschter Philipp Kohlschreiber.

Martin Klizan (SVK/7) – Daniel Gimeno-Traver (ESP) 6:4, 6:3

Klizan hatte den größeren Punch gegen den niemals aufgebenden Spanier. Gimeno-Traver fehlten aber nach seinem Marathonmatch vom Donnerstag gegen Daniil Medvedev, als er sich sogar auf dem Platz übergeben musste, die Kräftereserven. Besonders über sein Service konnte die Nummer 156 der Weltrangliste zu wenig Druck ausüben und wurde von den mächtigen Grundschlägen des Slowaken immer wieder in die Bedrängnis. Insgesamt fünfmal gab der 30-Jährige aus Kastilien seinen Aufschlag ab – da konnten ihn auch zwei eigene Breaks nicht mehr retten. 24 Stunden nach seinem Quickie gegen Louis Weßels machte Klizan auch mit dem Spanier kurzen Prozess (6:4, 6:3) und steht zum dritten Mal in diesem Jahr in einem Halbfinale.