Louis Weßels verpasst nächste Sensation, Underdogs auf der Überholspur

Für Youngster Louis Weßels hat es nicht zur nächsten Sensation bei den German Open 2016 am Hamburger Rothenbaum nicht gereicht. Dennoch zeigte sich der Zwei-Meter-Riese aus Ostwestfallen nach seiner Achtelfinal-Niederlage gegen Martin Klizan schnell wieder guter Dinge. Beim 1:6, 1:6 bekam er in 51 Minuten Spielzeit noch seine Grenzen aufgezeigt, konnte damit aber auch sehr realistisch umgehen. „Der Gegner war noch mindestens eine Nummer zu groß für mich. Aber in solchen Matches kann man viel lernen.“ Nicht lernen, sondern vielmehr genießen will Weßels in Zukunft den Umgang mit großen Kulissen. In Hamburg gelang ihm das trotz der Niederlage schon ganz gut. Und das Publikum dankte mit Applaus. Applaus für eine engagierte Leistung des jungen Bielefelders. Immerhin war es überhaupt erst das zweite Spiel auf der ATP-Tour für den 17-Jährigen, noch dazu vor rund 4000 Zuschauern auf dem Center Court der Welt. Außerdem gab es ja auch etwas zu feiern: Durch seinen Einzug ins Achtelfinale am Rothenbaum schaffte Weßels auf Anhieb den Sprung unter die besten 650 Spieler der Weltrangliste.

Darüber hinaus gaben Niederlagen der Mitfavoriten Alexander Zverev und Benoit Paire in der ersten Runde einigen Außenseitern am Turnier-Donnerstag eine unverhoffte Möglichkeit ins Viertelfinale des traditionsreichsten Tennisturniers einzuziehen.

Als erster Spieler nutzte Stephane Robert aus Frankreich (ATP 83) die Gunst der Stunde und setzte sich gegen Zverev-Bezwinger Inigo Cervantes (ATP 82) trotz eines Hängers im zweiten Durchgang mit 7:5, 4:6, 6:1 durch. Robert hatte zwischenzeitlich immer wieder große Probleme mit seinem Aufschlag, bewies aber ungeahnte Nehmerqualitäten. Insgesamt wehrte der 36-jährige (!) Oldie 13 Breakchancen seines spanischen Gegners ab und brachte Cervantes damit fast zur Verzweiflung. Nach seinem verwandelten Matchball lieferte der Franzose dann noch unmittelbar vor den Fernsehkameras ein kleines aber feines Tänzchen und ließ seiner Freude über den vor kurzem noch nicht für möglich gehaltenen Sprung ins Viertelfinale freien Lauf.

Guillermo Garcia-Lopez verbrachte anschließend nur rund 74 Minuten in seinem „Büro“ auf dem Center Court der Welt. Dann war sein 6.3, 6:2-Erfolg über Grega Zemlja aus Slowenien ohne große Umwege in trockenen Tüchern. Lediglich als beim Spielstand von 3:0 das Stadiondach geschlossen werden musste, brauchte Garcia-Lopez etwas Zeit, um sich auf die neuen Bedingungen einzustellen. Nach einem Aufschlagverlust, war der 33-Jährige aus Barcelona aber schnell wieder in der Spur und wies Zemlja letztlich deutlich in die Schranken.

Einen epischen Fight lieferten sich im letzten Match des Tages der russische Qualifikant Daniil Medvedev und Daniel Gimeno-Traver aus Spanien. Über drei Stunden und sieben Minuten gruben sich die beiden Akteure regelrecht auf dem Center Court ein und zeigten nicht nur einen beherzten Kampf, sondern auch etliche spielerische Finessen. Am Ende hatte schließlich Gimeno-Traver die größeren Kräftereserven und triumphierte im Tie-Break des dritten Satzes mit 5:7, 7:6, 7:6 – es war das bisher längste Match des diesjährigen Turniers. Gerade Medvedev ging dabei bis über seine Grenzen und holte schon im zweiten Durchgang immer wieder einen Rückstand auf. Im Tie-Break punktete aber Gimeno-Traver mit seiner Erfahrung. Auch im dritten Satz hielt der russische Qualifikant trotz massiver Krämpfe beherzt dagegen und versuchte alles, um das anspruchsvolle Topspin und Slice-Spiel von Gimeno-Traver zu entschärfen – am Ende vergebens. Das Publikum feierte die Akteure schließlich mit stehenden Ovationen für einen leidenschaftlichen Sandplatzkampf.