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Turnierfavorit Kohlschreiber kämpft sich ins Viertelfinale, Cuevas cruist souverän

Philipp Kohlschreiber hält die deutsche Fahne bei den German Open 2016 weiterhin hoch. Die deutsche Nummer eins drehte gegen den argentinischen Außenseiter Nicolas Kicker nach einem eher missratenen ersten Satz auf und arbeitete sich, wie schon in der ersten Runde gegen Carlos Berlocq, mit einer starken kämpferischen Leistung ins Viertelfinale. Nach fast zweistündiger Spielzeit ließ sich der 30-Jährige Augsburger für seinen 4:6, 6:1, 6:2-Erfolg feiern.

„Ich war am Anfang sehr nervös und wusste, um die Chance, die sich hier bietet. Ich habe mich dann aber rechtzeitig am Riemen gerissen. Mein Gegner hatte nichts zu verlieren. Vonwar vom Papier her der klare Favorit, aber die anderen können auch alle Tennis spielen. Das macht es manchmal ganz schön kompliziert“, bilanzierte Philipp Kohlschreiber im Interview nach dem Match auf dem Center Court.

Kicker hatte in der ersten Runde seinen ersten Sieg auf ATP-Tour-Level überhaupt gefeiert und startete ohne großen Respekt vor der Nummer 22 der Weltrangliste in die Partie und schnappte sich gleich Kohlschreibers erstes Aufschlagspiel. Der 23-Jährige aus Merlo gefiel durch sein stabiles Grundlinienspiel während dem Deutschen im gesamten ersten Satz beim Versuch das Spiel zu diktieren, zu viele einfache Fehler unterliefen. Runde eins ging somit an den Argentinier, der erst im Frühjahr sein Debüt auf der ATP World Tour feierte. Doch Kohlschreiber wurde jetzt nicht hektisch, sondern drückte stattdessen den Reset-Knopf und setzte seinen Matchplan von nun an wesentlich konsequenter um und gab nur noch drei Spiele ab.

Am Freitag bekommt er es in der Runde der letzten Acht zum dritten Mal in Folge bei diesem Turnier mit einem Argentinier, nämlich mit Renzo Olivo, zu tun. „Das ist wieder ein Spieler, den ich mir vorher auf YouTube nochmal ansehen muss, weil ich nicht viel über ihn weiß“, formuliert Kohlschreiber. Olivo setzte sich in einem argentinischen Duell gegen Maximo Gonzalez mit 6:3, 6:4 durch. Der 24-Jährige ist in der Weltrangliste fast 100 Plätze schlechter positioniert als Gonzalez, doch davon war auf dem „Center Court der Welt“ nichts zu spüren. Olivo bewegte sich gut und war der mutigere Spieler. Außerdem wehrte er alle drei Breakchancen seines Gegners konsequent ab. Gonzalez hatte in Runde eins noch durch seinen Sieg gegen Jeremy Chardy, als er auch noch einen Matchball abwehrte, überrascht. Jetzt fehlte ihm schlichtweg die Energie, um das Ruder nochmal herumzureißen – zumal Gonzalez auch noch mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen hatte. Im zweiten Satz ließ er sich vom Physiotherapeuten eine Schmerztablette geben.

Pablo Cuevas stellt auch am Hamburger Rothenbaum seinen Status als einer der besten Sandplatzspieler des Jahres 2016 unter Beweis. Gerade einmal 77 Minuten benötigte Cuevas im „Südamerika-Schlager“ gegen den brasilianischen Qualifikanten Thiago Monteiro, um mit einem 6:2, 6:3-Erfolg in das Viertelfinale des wichtigsten deutschen Sandplatzturniers vorzustoßen.

Cuevas scheint vor allem bei eigenem Aufschlag momentan unantastbar zu sein. Ließ er zum Auftakt gegen Florian Mayer keinen einzigen Breakball zu, gestattete er Monteiro lediglich eine Breakchance, erarbeitete sich aber seinerseits insgesamt 13 Breakbälle. Ein Beleg für eine insgesamt einseitige Partie in der Cuevas seine ganze Klasse ausspielte: Der „Uru“ agierte sehr athletisch und bot ein enorm offensives ausgerichtetes Grundlinientennis an, gegen das Monteiro nie ein Mittel fand. „Thiago ist ein sehr guter Spieler. Er hatte nichts zu verlieren und ich bin wirklich froh, dass ich es geschafft habe. Die Unterstützung am Publikum war wirklich fantastisch, besonders durch meinen Fanclub“, freute sich Cuevas nicht nur über seinen Sieg, sondern auch über die Anfeuerungsrufe der Kids, die ihn im Rahmen der Aktion „children for champions“ in Hamburg unterstützen – und das vielleicht sogar bis zum Finale! Schließlich ist Cuevas längst einer der ganz heißen Anwärter auf den Turniersieg.

Um dem Siegerpokal einen Schritt näher zu kommen, wartet auf Cuevas nun der Franzose Paul-Henri Mathieu. Der Franzose lieferte sich gestern Abend mit Nicolas Almagro das bisher wohl beste Match des diesjährigen Turniers. Nach einer wahren Nervenschlacht über fast drei Stunden verwandelte der 34-Jährige seinen zweiten Matchball mit einem Netzroller zum 4:6, 7:6, 7:5 – Drama pur! Almagro zeigte sich von seiner bekannt emotionalen Seite und zog sich durch einige Wutausbrüche auch den Unmut des Hamburger Publikums zu. Außerdem war er der deutlich bessere Aufschläger, zeigte sich aber zu nachlässig in seiner Chancenverwertung, und verlor in der entscheidenden Phase die Nerven. Der 30-jährige Iberer entschied zwar Satz eins mit 6:4 für sich, ließ aber im gesamten Match zehn Breakchancen ungenutzt. Mathieu warf seine gesamte Erfahrung ins Feld und holte sich erst den zweiten Satz im Tie-Break, ehe er im Entscheidungsdurchgang abgeklärt auf seine Chance wartete und seinem Gegner schließlich im elften Spiel das Service zu Null abnahm.