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Kohlschreiber arbeitet sich weiter, Sensation durch Weßels – Zverev gescheitert

Philipp Kohlschreiber und überraschenderweise auch Louis Weßels haben bei den German Open 2016 den Einzug ins Achtelfinale geschafft und sind damit die beiden letzten einheimischen Vertreter beim größten deutschen Sandplatzturnier.

Turnierfavorit Kohlschreiber landete in seinem Erstrundenmatch über den Argentinier Carlos Berlocq einen 6:3, 6:7, 6:3-Arbeitssieg. „Ich habe viele Chancen liegen gelassen“, bilanzierte der 32-Jährige selbstkritisch. „In den entscheidenden Situationen hat Berlocq unglaubliches Tennis gespielt und mich damit ziemlich genervt. Aber harte Tage muss man einfach überstehen.“ Insgesamt 14 Breakmöglichkeiten ließ der Augsburger verstreichen, ging am Ende aber dennoch als verdienter Sieger vom Platz. Speziell die starke Vorhand fand im entscheidenden dritten Satz immer häufiger den Weg ins Ziel. Eine kurze Schrecksekunde gab es lediglich, als sich Kohlschreiber im ersten Satz am Fuß verletzte: „Die ersten 15 Minuten danach tat es noch ein wenig weh. Aber nach dem Tapen war alles gut,“ erklärte die deutsche Nummer eins.

Dagegen musste Jan-Lennard Struff eine unglückliche Niederlage quittieren. Nur wenige Stunden nachdem der Warsteiner für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro nominiert worden war, verlor er am Rothenbaum gegen den russischen Qualifikanten Daniil Medvedev nach einem über zweistündigen Kampf mit 4:6, 7:5 und 4:6. In einer ungeheuer ausgeglichenen Begegnung unter dem Hamburger Flutlicht machte die Effektivität Medvedevs den Unterschied. Über drei Sätze gab es insgesamt nur drei Breakchancen, die allesamt genutzt wurden. „Es ist wirklich bitter gelaufen. Ich hatte zwar wenige Breakbälle, aber einige Chancen im dritten Satz mir Breakbälle zu erspielen. Da habe ich einige Möglichkeiten liegen gelassen“, resümierte Struff.

Eine echte Sensation gelang dem erst 17-jährigen Louis Weßels, der sein erstes Spiel auf der ATP World Tour gewinnen konnte. Ohne Weltranglistenposition rutschte der Nachwuchsspieler, dank einer Wildcard ins Hauptfeld, und schlug den kanadischen Qualifikanten Steven Diez mit 5:7, 6:2 und 6:1. Die Nummer 18 der Junioren-Weltrangliste ließ sich auf der roten Hamburger Asche überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. „Ich weiß noch gar nicht, was ich sagen soll. Ich war gar nicht so nervös, wollte einfach nur ziemlich frei aufspielen. Und das habe ich auch gemacht. Ab Satz zwei habe ich beim Tennisspielen kaum nachgedacht, sondern einfach mein Spiel durchgezogen. Ich habe das Match gestaltet und er war glaube ich ziemlich beeindruckt“, sagte der Bielefelder nach dem größten Erfolg seiner Tenniskarriere, der ihn direkt unter die besten 600 Spieler der ATP-Weltrangliste katapultieren wird.

Alexander Zverev erwischte dagegen einen gebrauchten Tag. Der große Hamburger Hoffnungsträger stemmte sich in seinem Auftaktspiel gegen Inigo Cervantes mit aller Macht gegen Niederlage, unterlag dem laufstarken Aschespezialisten aus Spanien unter dem geschlossenen Dach des Center Courts aber doch mit 5:7, 6:7.

„Es ist nicht einfach, sich von Rasen auf Sand umzustellen. Ich habe nur drei Mal trainiert und dann gegen einen Gegner gespielt, der zuvor in einem Challenger-Finale auf Sand gespielt hat und der sich auf diesem Belag wohlfühlt“, bilanzierte ein dennoch enttäuschter Alexander Zverev nach einem Match, in dem er viel zu selten sein bekannt druckvolles Angriffstennis aufziehen konnte. Große Probleme beim Aufschlag, in einem Spiel servierte der 19-Jährige zwei Doppelfehler in Folge, gingen einher mit fehlender Stabilität im Grundlinienspiel. Zwar verfügt der Deutsche eindeutig über die stärkeren Grundschläge, doch diesen Vorteil konnte er zu selten in direkte Punkte umwandeln. Cervantes dagegen erwies sich als zäher Konkurrent, der nie einen Ball verloren gab, geschickt verteidigte und im richtigen Moment auch immer wieder schnell auf Offensive umschalten konnte.

Am Mittag mussten innerhalb weniger Minuten gleich drei prominente Gesichter bei den German Open 2016 ihre Ambitionen begraben. Allen voran katapultierte sich der an zwei gesetzte Benoit Paire (ATP 23) quasi selbst aus dem Turnier. Der Franzose, dem von Henri Leconte ein unglaubliches Talent, aber eine unzureichende Einstellung bescheinigt wurde, stand gegen Daniel Gimeno-Traver über weite Strecken quasi neben sich. Nach einer lustlosen Anfangsphase steigerte er sich zwar im zweiten Satz, unterlag aber gegen den Spanier am Ende dennoch mit 5:7, 6:3 und 4:6. Bereits nach 48 Minuten musste der erste Schläger dran glauben. Nach dem Match ließ der 27–Jährige seinem ganzen Frust freien Lauf und zerstörte unmittelbar neben seiner Spielerbank gleich vier (!) Schläger. Das letzte Racket kam dabei noch frisch vom Besaitungsservice und steckte noch in der Original-Plastiktüte. Zu allem Überfluss verfehlte Paire, als er den letzten Schläger auf den Boden drosch, nur knapp ein Ballkind, das gerade noch zurückweichen konnte.

Der ehemalige Top 10-Spieler Mikhail Youzhny konnte seinen Aufwärtstrend in Hamburg nicht bestätigen. In Wimbledon erreichte der Russe zuletzt noch die dritte Runde und unterlag gegen Alexander Zverev. Am Rothenbaum musste sich der Routinier in seinem Auftaktmatch dem Argentinier Renzo Olivo mit 6:7, 6:2 und 1:6 geschlagen geben. Leonardo Mayer konnte auch nicht an seine Form von vor zwei Jahren anknüpfen, als er das Rothenbaum-Turnier gewann. Diesmal scheiterte er gleich in Runde eins gegen den Franzosen Stephane Robert mit 6:7, 4:6. Der Gaucho hatte bereits in den vergangenen Wochen große Probleme und kassierte bereits seine sechste Erstrunden-Niederlage bei den letzten sieben Turnieren. Auch beim Challenger in der Vorwoche verlor er bereits in Runde eins.

Nur knapp einem frühen Ausscheiden entging der an drei eingestufte Spanier Guillermo Garcia-Lopez. Erst im Tie-Break des dritten Satzes konnte der Iberer seinen französischen Kontrahenten Kenny de Schepper mit 5:7, 6:2, 7:6 bezwingen.