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Die Favoriten geben sich keine Blöße – Mayer ausgeschieden

Es war ein langer Tag am Hamburger Rothenbaum – genau genommen, ein sehr langer Tag. Erst um 21 Uhr durfte mit Simone Bolelli auch der letzte Spieler seinen Viertelfinal-Einzug bejubeln. Vor ihm ließ sich auch Superstar Rafael Nadal reichlich Zeit, ehe er die Faust ballen konnte.

Nadal hatte es im Linkshänder-Duell mit dem jungen Tschechen Jiri Vesely zu tun. Das Match begann kurios, denn beide Akteure hatten bei eigenem Aufschlag mächtig Probleme. Die Folge waren gleich drei Breaks in Serie, ehe Nadal zum 3:1 das erste Mal den Aufschlag durchbringen konnte. Den Vorsprung verteidigte der Spanier bis zum Satzgewinnmusste beim 5:4 allerdings noch einen Breakball abwehren.

Im zweiten Durchgang wollten es die Beiden dann scheinbar auf den Gipfel treiben. Der Satz dauert satte 75 Minuten, es gab happige sechs Breaks und viele vergebene Chancen. Klingt nach einer wilden Partie – die war es sicher auch, vor allem aber war es auch eine ansehnliche. Vesely spielte stark auf, stellte Nadal vor einige Probleme. Doch am Ende hatte der Favorit das bessere Ende für sich und gewann den Tie-Break letztlich deutlich mit 7:2. „In den letzten Monaten ging vieles auf und ab. Daher bin ich glücklich, dass ich das Match heute so überstanden habe“, resümierte die Nummer eins der Setzliste.

Nadal-Zögling Jaume Munar und der Italiener Simone Bolelli bescherten Zuschauern auf dem Center Court im letzten Match des Tages noch einmal Tennis-Überstunden verschaffen. Über zwei Stunden dauerte ihre Partie, die der Italiener Bolelli letztlich mit 6:1, 6:7 und 6:4 für sich entschied. Ein hartes Stück Arbeit gegen den 18-jährigen Youngster, der in seinem ersten richtigen ATP-Match – in Runde eins gab Gegner Guillermo Garcia-Lopez schon nach neun Minuten auf – einen starken Eindruck machte. Nach einem schwachen Beginn kämpfte sich Munar zurück in die Partie und gewann den zweiten Satz

Vor allem die Rückhand der aktuellen Nummer 683 der Weltrangliste wusste ein ums andere Mal zu begeistern. Und der junge Spanier schien sehr konzentriert, beging für einen Spieler seines Alters wenig Fehler. Dennoch machte sich am Ende die Routine des 29-jährigen Bolelli bezahlt, der das Match mit einem starken Winner beendete.

Förmlich durchgewühlt hat sich derweil der „Uru“ Pablo Cuevas. Die Nummer fünf der Setzliste zwang den Aufschlagriesen Jerzy Janowicz mit 6:3, 4:6, 6:2 in die Knie – vor allem deshalb, weil besonders der zweite Aufschlag überhaupt nicht funktionierte. Hier machte der Pole nur in 27 Prozent der Fälle. Cuevas returnierte aggressiv und schaffte alleine im ersten Satz gleich zwei Breaks. „Das war ein super Start für mich“, freute sich der Südamerikaner später besonders über seine starke Anfangsphase.

Im zweiten Satz verlief das Match deutlich ausgeglichener. Beide Spieler ließen beim eigenen Service kaum etwas anbrennen So war bis zum 5:4 für Janowicz alles in der Reihe – und plötzlich returnierte der Pole richtig, richtig stark. Die Folge: Das Break zum 6:4, Satzausgleich.

Der dritte Durchgang lieferte so etwas wie das Spiegelbild des ersten Satzes: Janowicz zeigte Aufschlagschwächen, während Cuevas blitzsauberes Tennis spielte. Und das entnervte den Polen völlig. Beim Spielverlust zum 1:3 musste dann der Schläger dran glauben. Der Frust saß tief bei der Nummer 51 der Welt, die Konzentration war futsch. Als Cuevas auch noch das zweite Break zum 5:2 gelang,war die Partie endgültig entschieden.

Neben dem Match von Rafael Nadal fieberten die deutschen Tennisfans vor allem dem Auftritt von Florian Mayer. Der 31-Jährige verlor gegen den Südtiroler Andreas Seppi nach einem starken Auftakt den Faden und verließ mit einer 6:4, 2:6, 3:6-Niederlage aber auch einem guten Gefühl im Gepäck den „Center Court der Welt“. Mayer ist damit als letzter Deutscher bei den bet-at-home Open 2015 gescheitert.

 Florian Mayer kann wieder mit der Weltklasse mithalten – das ist die wichtigste Erkenntnis für den Bayreuther, der sich mit Seppi besonders im ersten Satz ein hochklassiges Match lieferte. Mayer spielte variabel, war der dominante Mann auf dem Platz und schaltete bei den „Big Points“ häufig nochmal einen Gang nach oben.  Ob per Stopp, der eingesprungenen Rückhand, oder auch am Netz – Mayer spielte fast fehlerfrei und verdiente sich das 6:4 im ersten Abschnitt redlich. Doch leider konnte der deutsche Davis Cup-Spieler  dieses Niveau halten. Einige vermeidbare Fehler, knappe Schiedsrichter-Entscheidungen und Pech bei Netzrollern, Platzfehlern oder engen Entscheidungen – Florian Mayer ging schlicht und ergreifend die Luft aus. Und Andreas Seppi? Der hatte auf diesen Moment nur gewartet, riss das Spiel komplett an sich, schlug nun fast doppelt so viele Winner wie der Deutsche und ließ seinen Gegner nicht mehr vom Haken. Florian Mayer hat sich aber nichts vorzuwerfen. Das Achtelfinale in Hamburg war für ihn ein weiterer Schritt auf dem Weg zurück an die Spitze.