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Nadal gewinnt trotz Stolperstart – „Kohli“ und Zverev scheiden aus

Es war ein ziemlich schwieriger Auftakt für Rafael Nadal bei den bet-at-home Open 2015 – am Ende stand für den ehemaligen Weltranglistenersten aber dennoch der Einzug ins Achtelfinale! Gegen seinen spanischen Landsmann Fernando Verdasco entwickelte sich das erwartet enge Match – am Ende hatte der topgesetzte Mallorquiner nach zwei Stunden mit 3:6, 6:1, 6:1 den längeren Atem.

So richtig konnten die 6000 Zuschauer nicht glauben, was sie auf dem Center Court zu sehen bekamen. Fernando Verdasco gelang es nämlich den Superstar und Publikumsliebling Rafael Nadal phasenweise vorzuführen. Denn immer wieder fehlte der ehemaligen Nummer eins der Welt die nötige Länge in den Grundlinienschlägen, erklärbar durch die entstandene Verunsicherung nach den eher überschaubaren Erfolgserlebnissen in diesem Jahr. Es passte also ins Bild, dass Nadal 2015 bislang abgab: Durchweg bemüht, aber keineswegs unschlagbar. „Ich habe eigentlich kaum Fehler gemacht. Aber ich habe ihm es auch nicht schwer gemacht meine Schlägen zu kontern“, lieferte ein sichtlich geschaffter Nadal nach Machtende ab.

Die Intensität, gerade was das Spiel der Nummer eins des Turniers anging, nahm dann im zweiten Durchgang deutlich zu. Nadal drehte jetzt besonders kämpferisch auf.

Der Spanier pflügte sich durch die rote Asche, ließ den Ball und den Schläger seinen Zorn spüren. Ballte die Faust, schrie bei jedem Schlag in seiner unnachahmlichen Art und holte sich in einem hartumkämpften ersten Spiel im zweiten Satz gleich das Break. „Das war unglaublich wichtig. Das war so ein Moment, von denen ich in den letzten Jahren sehr viele erlebt habe, nur 2015 halt noch nicht“, erklärte der nur noch auf Rang zehn in der Welt gelistete Nadal, nachdem er in den Sätzen zwei und drei vor allem bei den wichtigen Punkten nervenstark agiert hatte und ein klares 6:1, 6:1 auf die Anzeigetafel brachte.

Philipp Kohlschreiber hat sich sein Rothenbaum-Turnier 2015 dagegen ganz anders vorgestellt: Bereits nach der ersten Runde sind die bet-at-home Open 2015 für die deutsche Nummer eins schon wieder beendet! Gegen Benoit Paire unterlag „Kohli“ mit 3:6, 6:3 und 1:6.

Der Franzose reiste dank des jüngsten Turniersieges im schwedischen Bastad mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein an – und konnte dieses von Beginn an auf dem Center Court unter Beweis stellen. Vor allem der Rückhand-Return entwickelte sich zu einer richtigen Waffe, die Kohlschreiber immer wieder unter Druck setzte. Die Folge: Der schnelle Aufschlagverlust aus Sicht des Deutschen zum 1:3. Zwar gelang es „Kohli“ via Break auf 3:4 zu verkürzen, doch Paire schlug umgehend zum 3:5 zurück. Und sicherte sich danach mit seinem starken Service den Satzgewinn. Vor allem dank überragender 15:3-Winner im ersten Durchgang.

Im zweiten Satz drehte sich das Match dann. Insbesondere durch viel zu viele leichte Fehler des Franzosen, der unter anderem mit einem Doppelfehler das Break zum 0:2 begünstigte. Paire war sichtlich genervt, brachte Kohlschreiber damit zurück in das Spiel. Und der Augsburger nutzte den Moment, brachte seinen Vorteil durch und hatte nach 1:08 Stunden zum 1:1 nach Sätzen ausgeglichen. Ausschlaggebend in diesem Durchgang: 16 leichten Fehlern von Paire standen nur zwei von Kohlschreiber gegenüber. Kohli: „Im zweiten Satz hat er sich selber geschlagen.“

Vor dem dritten Satz wurde dann das Center-Court-Dach geschlossen. Und mit diesem Wechsel der Bedingungen konnte Paire deutlich besser umgehen als „Kohli“. Der Franzose nach dem Match: „Dadurch verändert sich das Spiel komplett. Das Tempo ist anders, das Licht ist anders – und ich bin damit gut klargekommen.“ Aus Sicht Kohlschreibers viel zu gut: „Im dritten Durchgang war ich komplett chancenlos.“
Für Alexander Zverev sind die bet-at-home Open 2015 „das wichtigste Turnier des Jahres“ – und genau das war Alexander „Sascha“ Zverev in seinem Erstrundenmatch gegen den an Position zwei gesetzten Tommy Robredo auch anzumerken. Der Lokalmatador fightete, pushte sich und gab nie auf. Ein toller Auftritt! Dennoch stand am Ende eine 7:6(3), 4:6, 3:6-Niederlage gegen den spanischen Sandplatzspezialisten.

Der erste Durchgang entwickelte sich zu einer ganz kuriosen Nummer. Nach nur 13 Minuten führte Robredo – die ehemalige Nummer fünf der Tennis-Welt – scheinbar uneinholbar mit 4:0. Der Spanier agierte klasse, während Zverev noch nicht zu seinem Spiel gefunden hatte. Doch das sollte sich innerhalb weniger Augenblicke ändern: Ein Break zum 1:4 war die Initialzündung, es folgte das 2:4, das nächste Break zum 3:4, der 4:4-Ausgleich. Die Partie war wieder ausgeglichen – und Alex zeigte nun, was ihn mit seinen erst 18 Jahren zur größten deutschen Tennis-Hoffnung seit Jahren macht. Nervenstärke bei den wichtigen Punkten, ein flexibles Spiel, außerdem eine ordentliche Portion an jugendlicher Leichtigkeit. Da störten selbst die drei Satzbälle Robredos beim Stand von 5:6 nicht, denn Zverev rettete sich in den Tie-Break. Um hier dann eine überragende Performance abzuliefern: Das schnelle 2:0, ein genialer Vorhand-Winner zum 4:2, das Ass zum 7:3. Der erste Satz war eingetütet!

Doch davon ließ sich Robredo seinerseits im Duell der Generationen auch nicht aus der Ruhe bringen. Ihm gelang es, beim 2:2 Zverev den Aufschlag abzuluchsen. Die folgenden Aufschlagspiele liefen auf beiden Seiten ähnlich souverän, sodass der Spanier beim 5:4 zum Satzgewinn servierte. Ohne Probleme. Der Satzausgleich, es musste in den entscheidenden Dritten gehen. Zverev zum zweiten Durchgang: „Ich habe da etwas an Adrenalin verloren und wurde müde. Wenn du müde wirst und gegen Tommy Robredo auf Sand spielst, dann hast du keine Chance.“

Genau diese Prognose traf in der Folge ein. Erneut sorgte ein frühes Break für den ersten Zverev-Rückschlag. Robredo nahm der deutschen Hoffnung direkt zum 1:2 den Aufschlag ab, brachte danach seine beiden Services zu 15 und zu Null durch. Als dann beim Stand von 2:4 das nächste Break gelang, war die Entscheidung endgültig gefallen. Und Lokalmatador Zverev hatte die erhoffte Revanche für das verlorene Halbfinale im schwedischen Bastad leider verpasst. Was ihm hingegen gelang, war eine überzeugende Vorstellung, die das Hamburger Publikum zu begeistern wusste. An diesem Jungen werden wir mit ganz großer Sicherheit in der Zukunft noch viel Spaß haben! Zverev versprach auf der abschließenden Pressekonferenz: „Es ist die beste Unterstützung, die ich im Jahr bekomme. Die Zuschauer stehen auf meiner Seite, egal wie es steht. Ich werde wiederkommen und von Jahr zu Jahr stärker spielen!“

Auf den Außenplätzen der Anlage am Hamburger Rothenbaum wurden die Spiele am Dienstag vor allem von zahlreichen Regenunterbrechungen geprägt. Davon nicht betroffen war allerdings Youngster Jaume Munar. Der Wildcard-Spieler profitierte nach gerade mal neun Minuten von der Oberschenkelverletzung seines Landsmanns Guillermo Garcia-Lopez und steht erstmals im Achtelfinale eines ATP-Turniers.

Juan Monaco, Rothenbaum-Sieger von 2012 kämpfte sich in drei Sätzen (6:3, 6:7 (5), 6:3) ins Achtelfinale. Kurzen Prozess mit ihren Gegner machten der an Position drei eingestufte Roberto Bautista-Agut (6:3, 6:4 gegen Borna Coric (Kroatien)) und der an vier gesetzte Südtiroler Andreas Seppi (6:2, 6:4 gegen Martin Klizan (Slowakei)).

Unter dem geschlossenen Dach des Center Courts gewannen am Abend noch der Italiener Fabio Fognini (6:3, 6:7 (5) 6:4 gegen Jeremy Chardy (Frankreich), der 2013 in Hamburg triumphierte, und dessen Landsmann und Doppelpartner Simone Bolelli (7:6 (3), 7:6 (6) gegen Lukas Rosol (Tschechien)) ihre Erstrundenspiele.

Am Mittwoch werden noch zwei Partien der ersten Runde gespielt, die aufgrund des Regens bisher nicht ausgetragen werden konnten. Darüber hinaus stehen vier Achtelfinals, unter anderem mit den an zwei und drei gesetzten Spaniern Roberto Bautista-Agut und Tommy Robredo, sowie sechs Doppel (unter anderem mit Philipp Kohlschreiber, Philipp Petzschner, Florian Mayer, Jan-Lennard Struff und Frank Moser) auf dem Programm.