Leonardo Mayer feiert Titelpremiere am Rothenbaum

Der Hamburger Rothenbaum ist und bleibt ein gutes Pflaster für Außenseiter. Das haben die bet-at-home Open 2014 wieder eindrucksvoll bewiesen. Nach Roberto Carretero (1996), Albert Portas (2001) und Andrey Golubev (2010) war es dieses Mal Leonardo Mayer, der als unbeschriebenes Blatt in die Hansestadt kam und am Ende mit seinem ersten ATP-Titel im Gepäck wieder abreiste. Der ungesetzte Argentinier präsentierte sich während der gesamten Turnierwoche in bestechender Form und krönte seinen erfolgreichen Auftritt mit einem 6:7(3), 6:1, 7:6(4) im Finale über den Weltranglisten-Siebten David Ferrer aus Spanien.

„Ich kann es gar nicht glauben. Ich habe es geschafft. Und das gegen einen der besten Spieler auf Sand. Das muss ich jetzt erst einmal sacken lassen“, meinte der überglückliche Mayer kurz nach seinem unerwarteten Triumph im elften Profijahr. „Zu Beginn war ich ein bisschen angespannt. Weil David aber auch ein paar Fehler gemacht hat, bin ich zurück ins Match gekommen. Ich wollte unbedingt gewinnen und habe alles gegeben. Außerdem habe ich versucht, das Ganze zu genießen. Das ist wohl auch der Grund, warum ich am Ende als Sieger vom Platz gegangen bin.“ Mit seinem Sieg bei den bet-at-home Open 2014 verdiente sich 27-Jährige aus Buenos Aires 272.300 Euro Preisgeld und 500 Punkte für die Weltrangliste, in der er sich um knapp 20 Plätze bis auf Position 27 verbesserte.

Gegen David Ferrer lag Leonardo Mayer im ersten Satz gleich zwei Mal mit einem Break vorne, konnte den Vorteil jedoch nicht nutzen und musste den Durchgang letztlich im Tiebreak abgeben. Wer nun geglaubt hatte, der Überraschungsfinalist würde nach seinem ersten Satzverlust des Turniers einbrechen, wurde eines Besseren belehrt. Mayer behielt sein hohes Niveau bei, während der Topfavorit seine Linie verlor und den zweiten Satz in nicht einmal 30 Minuten verlor. Im entscheidenden Durchgang servierte der Argentinier beim Spielstand von 5:4 bereits zum Match, als Ferrer noch einmal das Rebreak gelang. Zum Turniersieg reichte es für den 32 Jahre alten Spanier dennoch nicht. Leonardo Mayer ließ sich auch in dieser Phase des Matches nicht aus dem Rhythmus bringen und verwandelte nach zwei Stunden und 20 Minuten seinen ersten Matchball.  „Er war heute der bessere Spieler“, gab David Ferrer anschließend zu. „Ich glaube, ich war in den entscheidenden Momenten ein bisschen zu nervös. Er hat aggressiver gespielt, das hat letztlich den Ausschlag gegeben.“

Nicht nur Leonardo Mayer sorgte bei den bet-at-home Open 2014 für Aufsehen, auch ein junger Deutscher machte bei der 108. Auflage des Rothenbaum-Turniers Schlagzeilen: Alexander Zverev, 17 Jahre alt, wenige Wochen vor Turnierstart noch die Nummer 665 der Welt und auf der ATP World Tour bis dahin noch ohne Sieg. Die Nachwuchshoffnung aus Hamburg hatte von Turnierdirektor Michael Stich eine Wild Card für das Hauptfeld erhalten und bedankte sich für das in ihn gesetzte Vertrauen in eindrucksvoller Weise.  Ein erstes Ausrufezeichen setzte der Junioren-Sieger der Australian Open mit seinem 6:0, 6:2 über den Weltranglisten-51. Robin Haase. Anschließend überraschte er die internationale Tenniswelt mit einem 7:5, 7:5 gegen Top-20-Spieler Mikhail Youzhny. Doch damit nicht genug.  In Runde drei räumte Zverev auch den an Nummer elf gesetzten Santiago Giraldo 6:4, 7:6(6) aus dem Weg und im Viertelfinale gegen Tobias Kamke behielt er trotz eines 0:6 im ersten Satz am Ende noch mit 7:5, 6:3 die Oberhand. Und als wenig später auch noch Philip Kohlschreiber sein Match gegen Lukas Rosol gewinnen konnte, durften sich die Tennisfans am am Rothenbaum erstmals seit 21 Jahren wieder über zwei Deutsche Halbfinalisten freuen.

Dass es am Ende keiner von Beiden ins Endspiel schaffte, dafür sorgten David Ferrer und Leonardo Mayer. Erst begrub der Südamerikaner mit einem 7:5, 6:4 die Titelhoffnungen von Kohlschreiber, anschließend spielte der spanische Top-10-Spieler gegen seinen 15 Jahre jüngeren Gegner aus Hamburg seine ganze Erfahrung aus und beendete den Siegeszug von Alexander Zverev mit 6:0, 6:1. „Er war einfach zu gut für mich. Trotzdem bin ich stolz, dass ich hier in Hamburg soweit gekommen bin“, so Zverev. „Ein Match gewinnen, das war mein Ziel vor dem Turnier. Jetzt das Halbfinale erreicht zu haben, ist einfach unglaublich. Ich werde nächstes Jahr wiederkommen und hoffe, dass ich an diese Leistung anknüpfen kann.“