Die “Sandplatz-Monster” unter sich

Im Rothenbaum-Finale spricht man spanisch! Obwohl zum ersten Mal seit 21 Jahren  wieder zwei Lokalmatadoren das Halbfinale des wichtigsten deutschen Tennisturniers erreicht haben, geht das Endspiel nach den gestrigen Niederlagen von Alexander Zverev und Philipp Kohlschreiber heute ohne deutsche Beteiligung über die Bühne. Mit David Ferrer und leonardo mayer kämpfen nun zwei der besten Sandplatzspieler der Welt um den Titel. Wir bringen ihnen die beiden „Sandplatz-monster“ etwas näher.  

33 Grad – und es wird noch heißer! Doch unseren beiden heutigen Finalisten scheint das rein gar nichts auszumachen – eher das Gegenteil ist der Fall. In der Affenhitze des Hamburger Sommers laufen die beiden „Sandplatz-Maschinen“ David Ferrer und Leonardo Mayer erst richtig heiß! Wer allerdings auch an den traumhaften Stränden Valencias oder im Großstadtdschungel von Buenos Aires zu Hause ist, ist mit diesen Temperaturen quasi aufgewachsen. Beide zeigten bei ihren souveränen Siegen im Halbfinale, dass sie die beiden konstantesten Spieler in dieser Woche sind und verdientermaßen heute um den Titel streiten.

Besonders David Ferrer hat sich in den letzten Tagen von Match zu Match gesteigert: „In den letzten Wochen habe ich nicht mein bestes Tennis gespielt, aber hier werde ich immer besser. Das ist natürlich auch gut für mein Selbstvertrauen“, meint Ferrer, der nach seinem erstmaligen Finaleinzug am Rothenbaum ab Montag wieder die Nummer sechs in der Tennis-Weltrangliste sein wird. In seinen ersten beiden Runden in Hamburg musste er jeweils über drei Sätze gehen, in seinem Viertel- und Halbfinale gab er dann nur noch ganze drei (!) Spiele ab! Der 32 Jahre alte Ferrer ist mit allen Wassern gewaschen, gehört immer noch zu den fittesten Spielern auf dem Circuit und brillierte zuletzt besonders mit seinem aggressiven Return – und dort könnte heute auch der Schlüssel zum Sieg zu finden sein. Mayer begeisterte vor allem mit seinem variablen Aufschlag, der auch Philipp Kohlschreiber vor riesige Probleme stellte. „Es ist unheimlich schwer, sein Spiel zu lesen“, sagt der Deutsche über Mayer für den das Allerwichtigste war, dass er mit dem Sieg über „Kohli“ seine „persönliche Revanche für das verlorene WM-Finale“ geschafft hat.

Der Gaucho ist ein Fußballfanatiker und wäre beinahe auch selbst Profi geworden. Mit dem etwas kleineren Ball funktioniert es zurzeit aber auch ganz gut. Zum ersten Mal in seiner Karriere wird Mayer, der ähnlich hart wie Ferrer spielen kann, das Tempo aber auch gerne mal vertrödelt, ab morgen unter den Top 35 der Welt stehen. Ein Turniersieg in Hamburg, Mayer spielt erst sein zweites ATP-Finale und steht noch ohne Titel da, wäre für ihn der bisherige Höhepunkt in seiner Karriere. Er wäre dann nach Guillermo Villas (1978), Guillermo Coria (2003) und Juan Monaco (2012) der vierte Argentinier, der in Hamburg triumphieren würde.

Die Erfahrung spricht aber eindeutig für David Ferrer. Der Viertelfinalist der Australian Open und French Open in diesem Jahr greift heute nach seinem 22.Titel auf der ATP-Tour, zuletzt gewann er übrigens im Frühjahr vor Mayers Haustür in Buenos Aires. Doch Ferrer zeigt großen Respekt vor seinem Kontrahenten: „Leo spielt vielleicht das beste Tennis seines Lebens. Es wird sicher sehr hart, aber ich mag sein Spiel.“  
Auf so ein Finale kann man sich also wirklich nur freuen. Tut übrigens auch Turnierdirektor Michael Stich: „Leonardo Mayer erinnert mich ein bisschen an Juan Monaco, der hier vor zwei Jahren gewonnen hat.  Aber auch David Ferrer hat zuletzt zweimal sehr stark gespielt. Das wird sicher ein tolles Endspiel.“ Na dann: Bühne frei für das große Finale!