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Hamburg feiert Sascha, Tobi und Kohli

Die Sonne lachte über Hamburg – und mit Alexander „Sascha“ Zverev, Tobias Kamke und Philipp Kohlschreiber! Die beiden Lokalmatadoren erspielten sich mit Siegen über Santiago Giraldo und Alexandr Dolgopolov in ein „Hamburger Viertelfinale“! Auch Philipp Kohlschreiber erreichte zum zweiten Mal in seiner Karriere das Viertelfinale in Hamburg.

Es war exakt 14.17 Uhr am gestrigen Donnerstag, Tobias Kamke reckt beide Arme in den azurblauen Hamburger Himmel – Tobi im Viertelfinale des Heimturniers, das gab es noch nie! „Ich bin einfach überwältigt. Die Unterstützung war unglaublich“, sagte Kamke am Mikrofon von Eurosport-Moderator Stach. Zuvor lieferten sich Kamke und Dolgopolov in der Hamburger Mittagshitze eine echte Nervenschlacht. Wie schon in seinem Erstrundenspiel gegen Jarkko Nieminen war vor allem Kamkes „Klo-Trick“ ein Knackpunkt. Genau wie gegen den Argentinier nahm Kamke auch diesmal nach verlorenem zweiten Satz eine Toilettenpause und kam deutlich fokussierter wieder zurück. „Das ist weniger, dass ich die Toiletten so anziehend finde. Das ist mehr für mich selber, dass ich mich nochmal an einem ruhigen Ort sammeln kann und mal kurz was Anderes sehe – auch wenn die Toilette nicht besonders hübsch ist“, witzelte der 28-Jährige anschließend. Trotz einer deutlichen 5:2-Führung im dritten Satz kam der Hamburger aber nochmal ins Straucheln. „Als ich das Aufschlagspiel bei 5:3 zu Null abgegeben habe, wurde mir ganz schlecht“, meinte Kamke, der in einem kuriosen Finish von einem kapitalen Blackout Dolgopolovs beim Matchball profitierte und am Ende mit 7:5, 2:6, 7:5 triumphierte.

Rund 2 ½ Stunden später war tatsächlich das „Hamburger Traum-Viertelfinale“ komplett. In ähnlicher Pose wie zuvor Kamke, durfte sich nun nämlich auch „Sascha“ Zverev von seinen Fans feiern lassen. Und irgendwie wirkte der 17-Jährige, als könne er gar nicht richtig glauben, was hier gerade passiert. Nach Robin Haase und Mikhail Youzhny  brachte er auch Santiago Giraldo beim 6:4, 7:6 (6) mit seinem variablen Spiel zur Verzweiflung und überstand auch den einen oder anderen kritischen Moment mit viel Nervenstärke. Beim Stand von 5:3 im zweiten Satz hatte er bereits Matchball und kassierte doch noch das Break. Im Tie-Break wehrte er sogar einen Satzball ab und schnappte sich das Match mit 6:4, 7:6 (2). „Ihr spielt auch eine riesengroße Rolle, dass es so gut läuft“, jubelte Zverev schließlich mit dem Hamburger Publikum um die Wette.     

Zu späterer Stunde konnte auch noch Philipp Kohlschreiber mitfeiern. Der Augsburger, bei diesem Rothenbaum-Turnier scheinbar auf die „Night-Session“ nach 18 Uhr gebucht, entschied sein Achtelfinale gegen Gilles Simon nach exakt 90 Minuten mit 7:5, 6:3 für sich. In beiden Sätzen zeigte sich „Kohli“ nervenstark, ließ sich auch von Aufschlagverlusten nicht aus der Ruhe bringen und zog in den entscheidenden Momenten immer wieder das Tempo an. Als einer der wenigen gesetzten Spieler – neben dem Deutschen ist von den Viertelfinalisten nur David Ferrer noch in der Setzliste vertreten – wurde Kohlschreiber damit auch seiner Favoritenrolle gerecht. Kurzum: In dieser Form ist er ein Kandidat für den Turniersieg.
 
Dagegen ist die Reise von Dustin Brown bei den bet-at-home Open 2014 im Achtelfinale zu Ende gegangen. Nach gerade mal 63 Minuten quittierte der Niedersachse auf dem gut gefüllten Arriba Match Court No.1 ein 1:6, 2:6 gegen den Spanier Pablo Andujar. Einen Tag nach seinem Überraschungscoup gegen Andujars Landsmann Fernando Verdasco konnte Brown nicht an die zuvor gezeigte Leistung anknüpfen. Aus deutscher Sicht ist das Rothenbaum-Turnier schon jetzt ein voller Erfolg. Wie in 2012 stehen drei deutsche Herren im Viertelfinale und einer definitiv im Halbfinale! Das kann sich wirklich sehen lassen.