Deutsches Quartett stürmt ins Achtelfinale

Was für eine deutsche Gala! Hamburgs Tennisfans durften am Mittwoch auf dem Center Court gleich vier deutsche Siege feiern. Speziell der Hamburger Teenie Alexander Zverev sowie Dustin Brown und Tobias Kamke landeten echte Überraschungserfolge.

Den Anfang am großen Hamburger Tennis-Feiertag machte aber Tobias Kamke. Zahlreiche „Tobi, Tobi´“-Sprechchöre hallten am Mittwochvormittag über den Center Court der Welt am Rothenbaum. Die Hamburger Tennisfans feierten „Hausherr“ Tobias Kamke, der mit einem überraschend klaren 6:3, 6:4 gegen Vorjahresfinalist Federico Delbonis (Argentinien) zum zweiten Mal nach 2011 – damals verlor er in der Runde der letzten 16 gegen Marin Cilic – das Rothenbaum-Achtelfinale erreichte. Kamke hielt sich strikt an seinen Matchplan, übernahm immer wieder die Initiative und drängte den Linkshänder mit seiner flachen Vorhand in die Defensive und verhinderte Delbonis gefürchtetes Sandplatztennis. Außerdem zeigte sich Kamke in den wichtigen Momenten mit der Unterstützung der heimischen Fans im Rücken wesentlich entschlossener und durfte schließlich nach 85 Minuten beide Fäuste in den strahlend blauen Hamburger Himmel recken.     

Und das war erst der Auftakt zu einer echten deutschen Tennisparty auf dem „Center Court der Welt“. Rund drei Stunden später feierten die fast 6.000 Hamburger Tennisfans auf dem Center Court ihren neuen Liebling Alexander Zverev mit Standing Ovations und einer La Ola-Welle! Der 17-Jährige hatte gerade mit einem 7:5, 7:5 über Mikhail Youzhny und dem Einzug ins Achtelfinale in Hamburg den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert. Gleich in seinem fünften Match auf ATP-Niveau besiegte er dabei einen Top 30-Spieler. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das hat einfach Riesenspaß gemacht“, sagte Zverev fast überwältigt von der eigenen Leistung und den großen Emotionen auf dem Court. „Ich komme hierher seit ich zwei Jahre alt bin und jetzt stehe ich hier im Achtelfinale. Ich weiß gar nicht, was hier los ist. Ich hätte nichts dagegen, wenn das so weiter geht“, sprach´s und strahlte wie das sprichwörtliche Honigkuchenpferd. Nicht nur ihm, sondern auch vielen anderen Besuchern auf dem Center Court verschlug es regelrecht die Sprache, dass dieser Teenie in der Lage ist, das Spiel gegen einen 32-jährigen Weltklassemann eine Partie über weite Strecken zu dominieren. Dass er in beiden Sätzen jeweils beim Stand von 4:3 seinen Aufschlag verlor – kann passieren und ist auch längst schon wieder abgehakt. Zverev bekam seine Nerven schnell wieder in den Griff und agierte wie ein alter Hase mit viel Vertrauen in die eigenen Schläge. Alle waren sich einig: In dieser Form muss Zverevs Reise am Rothenbaum noch lange nicht zu Ende sein.

Mit Zverevs Sieg hatte der deutsche Tag am Rothenbaum so richtig Fahrt aufgenommen – und es ging in genau dem gleichen Tempo weiter. Auch der Deutsch-Jamaikaner Dustin Brown bewies sich nämlich als Favoritenschreck und schaltete in einer dramatischen Begegnung Fernando Verdasco aus Spanien mit 4:6, 6:2 und 7:6 (8) aus. Nach zwei abgewehrten Matchbällen profitierte „Dreddy“ von einem Doppelfehler Verdascos, verwandelte schließlich seinen dritten Matchball mit einem krachenden Service-Winner und fiel vor Glück auf der roten Asche auf die Knie. Brown hat scheinbar seine Lehren aus den vergangenen Wochen gezogen, als er bei den Gerry Weber Open im entscheidenden dritten Satz einen Mammut-Tie-Break gegen Philipp Kohlschreiber mit 16:18 verlor.
„Zum Glück ist mir das nicht wieder passiert. Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis mein risikoreiches Spiel belohnt wird. Jetzt ist es der Fall. Es hatte heute ein bisschen was von Davis Cup gegen Spanien“, schmunzelte Brown und verriet auch gleich ein kleines Erfolgsgeheimnis. Schon in Halle hatte er mit Rafael Nadal einen spanischen Linkshänder aus dem Turnier geworfen. Genau wie in Westfalen bereitete er sich auch gestern mit Sparringspartner Malte – natürlich ein Linkshänder vor – und gewann erneut.

In die Schlange der deutschen Sieger reihte sich am Abend dann auch Philipp Kohlschreiber ein. Die deutsche Nummer zwei brauchte in seinem ersten Turnierspiel den ersten Satz, um in seinen Rhythmus zu kommen, bezwang den Qualifikanten Gastao Elias in 85 Minuten 7:5 und 6:1. Je länger das Match dauerte, desto mehr kontrollierte der Bayer die Begegnung und spielte seine großen technischen Qualitäten aus. „Im ersten Satz ist es nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe. Er hat allerdings auch wirklich sehr gut gespielt. Später ist es dann besser gelaufen und ich war deutlich aggressiver“, fasste Kohlschreiber zusammen, der sich bei bestem Hamburger Wetter mit einigen lockeren Läufen an der Alster auf Betriebstemperatur brachte. Strahlender Sonnenschein und dazu vier deutsche Siege – es war ein echter Traum-Tennis-Tag am Rothenbaum!