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Große Party mit Alexander Zverev – Drama um Julian Reister

Die deutschen Tennisfans gingen am Dienstag bei den bet-at-home Open 2014 durch ein echtes Wechselbad der Gefühle. Nach dem umjubelten ersten Sieg von Alexander „Sascha“ Zverev auf der ATP World Tour, mussten sie mit ansehen wie der Reinbeker Julian Reister, bei seinem Heimturnier verletzt aufgeben musste.

Er spielte auf dem „Center Court der Welt“ als wäre es das Selbstverständlichste überhaupt. Ohne einen Anflug von Nervosität, sondern voller Selbstvertrauen nach den Erfolgen der vergangenen Wochen – so trat Alexander Zverev, der von allen nur Sascha genannt wird, in seinem Erstrundenmatch gegen den Niederländer Robin Haase auf und lieferte beim völlig problemlosen 6:0, 6:2-Erfolg ein mehr als eindrucksvolle Leistung ab. In der Weltrangliste rangiert der deutsche Senkrechtstarter fast 200 Plätze hinter Haase, spielte aber mit dem holländischen Davis Cup-Spieler Katz und Maus. Zverev diktierte mit seinen harten Aufschlägen – bis 215 km/h – und über die platzierten Grundschläge das Spiel. Auffällig außerdem: Zverev klebt auch auf Sand nicht nur an der Grundlinie, sondern suchte immer wieder den Weg ans Netz. Von jugendlicher Schüchternheit oder Zurückhaltung war beim Sieger des Juniorenwettbewerbs der Australian Open 2014 nichts zu spüren. „Die erste Runde in Hamburg überstanden zu haben, ist für mich noch wertvoller als der Sieg in Braunschweig“, ordnete der Youngster seinen Sieg schon bei der Pressekonferenz ruhig ein. Schon heute darf Zverev übrigens wieder ran. Diesmal fordert er den an fünf gesetzten und 15 Jahre älteren Russen Mikhail Youzhny heraus – es wird ein brisanter Vergleich der Generationen!

Einen ganz bitteren Nachmittag erlebte Julian Reister, der zweite Hamburger der an diesem Tag auf dem Center Court ran durfte. In seinem Match gegen den Tschechen Lukas Rosol knickte Reister Anfang des zweiten Satzes bei einem Ausfallschritt mit dem rechten Knöchel und musste schließlich beim Stand von 4:6, 1:2 aufgeben. „Das ist natürlich richtig bitter, wenn so einem etwas beim Heimturnier passiert. Ich habe ein lautes Knacken gehört und es hat zunächst unfassbar weh getan. Das hat mich schon ein wenig erschrocken“, erklärte Reister anschließend, konnte aber auch direkt erste Entwarnung geben: „Auf dem Ultraschall war zu erkennen, dass die Bänder ok sind. Lediglich ist die Kapsel in Mitleidenschaft gezogen worden. Wenn der Knöchel nicht dicker wird, dann kann ich ihn möglicherweise tapen und am Mittwoch auch Doppel spielen“, gab der Reinbeker sichtlich erleichtert zu Protokoll.

Zuvor verpasste es Peter Gojowczyk  sich an seinem 25. Geburtstag selbst mit einem Sieg das größte Geschenk zu machen. Gegen den Argentinier Leonardo Mayer hielt der in der Weltrangliste 69 Plätze schlechter klassierte Gojowczyk den ersten Satz zwar lange offen, verlor letztlich allerdings doch deutlich mit 3:6, 2:6 gegen den unermüdlichen Sandplatzwühler aus Südamerika. Besonders über den zweiten Aufschlag war der Dachauer zu anfällig und ließ insgesamt gleich 15 Breakbälle zu – so war für Gojowczyk in seinem ersten Hauptfeldmatch überhaupt am Rothenbaum kein Blumentopf zu gewinnen. Insgesamt war es für den 25-Jährigen nach dem Sieg über Milos Raonic in Halle die fpnfte Niederlage in Folge. Mayer gelang mit seinem Sieg zumindest persönlich eine „Mini-Revanche“ für das verlorene WM-Finale der Argentinier gegen Deutschland – der hat allerdings die Feierlaune des neuen Weltmeisters nicht wirklich getrübt.  

Der topgesetzte Spanier David Ferrer musste für den Einzug ins Achtelfinale richtig hart arbeiten. Gegen den Kasachen Mikhail Kukushkin gewann der Topfavorit auf den Turniersieg nach verschlafenem ersten Satz in einem abwechslungsreichen Zweitrundenmatch mit 2:6, 6:3 und 6:2. „Das war ein hartes Match. Mikhail spielt mit sehr viel Selbsvertrauen. Am Anfang habe ich sehr viele Fehler gemacht, aber es wurde dann immer besser. Ich bin froh, jetzt im Achtelfinale zu sein“, resümierte der Weltranglistensiebte im Gespräch mit Eurosport-Moderator Matthias Stach. Ferrer lief im ersten Durchgang gleich einem frühen Break hinterher lief und den Satz mit 2:6 abgab. Der von seiner Mutter betreute Kukushkin spielte mutig und machte auch in den zahlreichen langen Ballwechseln weniger Fehler als sein spanischer Gegner. Mitte des zweiten Abschnitts hatte Ferrer aber seinen Rhythmus gefunden, war vor allem in den wichtigen Momenten der etwas stabilere Spieler und brillierte mit seinen Defensivqualitäten. Für „Ferru“ war es der erste Sieg an der Alster seit fünf Jahren. In 2009 war der 32-Jährige im Halbfinale an Nikolay Davydenko gescheitert.

Eine glatte Angelegenheit war das Auftaktmatch dagegen für den an Position drei gesetzten Tommy Robredo. Der Spanier gewann bereits vor acht Jahren das Turnier in Hamburg, damals im Finale gegen Radek Stepanek, und findet langsam aber sicher zu seiner Topform zurück. In einem rein spanischen Zweitrunden-Duell wies er Daniel Gimeno-Traver mit 6:2, 7:5. Auf seinen Landsmann David Ferrer könnte er übrigens erst im Finale treffen

Einen blitzsauberen Start ins Turnier legte auch der Rothenbaumsieger von 2012 hin. Der Argentinier Juan Monaco, vor zwei Jahren gewann er das Finale gegen Tommy Haas, „panierte“ den Spanier Pere Riba in gerade mal 53 Minuten mit 6:3, 6:1 und bekommt es jetzt mit dem Südtiroler Andreas Seppi zu tun. Für die „Aufholjagd des Tages“ sorgte Dominic Thiem. Gegen den Spanier Marcel Granollers lag der junge Österreicher auf dem vollbesetzten ARRIBA Match Court No. 1 im entscheidenden dritten Satz schon 2:5 hinten. Nach Abwehr eines Matchballs triumphierte der 20-Jährige, der in der Alpenrepublik in die Fußstapfen von Thomas Muster treten soll, noch mit 2:6, 6:3, 7:5.