Tatort Rothenbaum: Federer gewinnt Krimi gegen Mayer

Was für ein Fight – unter dem Flutlicht des Hamburger Center Courts schenkten sich Roger Federer und Florian Mayer im Viertelfinale rein gar nichts. Beide kämpften unter frenetischen Beifall der begeisterten Zuschauer knapp zwei Stunden lang, ehe die ehemalige Nummer eins der Welt seinen ersten Matchball zum 7:6(4), 3:6 und 7:5 verwandelte. „Es war eine tolle Stimmung. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass die Leute so lange dableiben. Dafür ein dickes Dankeschön“, zeigte sich Federer nach dem Match angetan. Und es war wirklich ein echter Krimi, in dem beide Spieler immer wieder wahnsinnige Slicebälle so flach über das Netz zirkelten, das kein Papier mehr zwischen Ball und Netz gepasst hätte.

Der Superstar aus der Schweiz machte auch in seinem dritten Match bei den bet-at-home Open ungewohnt viele Fehler und Mayer zeigte sich besonders in den kritischen Situationen nervenstark. Die logische Konsequenz war ein dritter Satz. „Florian hat wirklich gut gespielt, es war ein tolles Match mit vielen langen Ballwechseln. Es hat Spaß gemacht heute zu spielen.“ Im elften Spiel im dritten Satz kam es zu einem Kuriosum – der Schiedsrichter sagte anstatt 0:40 und drei Breakbälle für Federer, 15:30 an. Das Publikum zählte besser mit und machte den Schiedsrichter lautstark auf seinen Fehler aufmerksam. Der korrigierte. Der Schweizer ließ sich davon aber nicht beirren und holte sich das entscheidende Break zum 6:5. „Beim Break zum 6:5 hat Roger unglaublich gespielt. Ich habe meine Chancen am Anfang des dritten Satzes liegen lassen und bin deshalb sehr gefrustet“, fasste Mayer das Match enttäuscht zusammen. Die Nummer eins des Turniers setzte sich beim anschließenden Seitenwechsel nicht mal hin, so voller Adrenalin war er. Federer servierte das Match schließlich souverän nach Hause und holte sich die Standing Ovations des Publikums ab, die aber auch einem bärenstarken Florian Mayer galten.

Haas scheitert an Fognini

Schade, Tommy! Für den deutschen Publikumsliebling war leider dieses Jahr im Viertelfinale der bet-at-home Open Endstation. Wie schon eine Woche zuvor in Stuttgart war der Italiener Fabio Fognini beim 2:6 und 4:6 zu stark. An der mangelnden Unterstützung des  Publikums kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Die 7500 Fans auf dem ausverkauften Center Court  feuerte den Hamburger schon im dritten Spiel mit „Auf geht´s Tommy“-Rufen an. Aber es ging am Anfang nur für Fognini nach vorne. Der ließ Haas immer wieder laufen und profitierte dabei von der fehlenden Länge in den Schlägen der Nummer elf der Welt  und den zahlreichen einfachen Fehlern des Deutschen. Nachdem Haas auch ein 0:40 nicht zu einem Break nutzen konnte, sicherte sich der Turniersieger  aus Stuttgart den ersten Satz mit 6:4.

Auch im zweiten Durchgang gab es kein Aufschlagspiel von Haas, in dem er nicht einen Breakball abwehren musste. Fognini ging wieder 3:1 in Führung. Aber Haas biss sich in das Match und erkämpfte sich einen Breakball zum 3:3. „Tommy, der zittert schon!“ hallte es von den Rängen. Und das tat sein Gegner tatsächlich und Haas schaffte das Break. Jetzt gab es im Publikum kein Halten mehr, jeder Haas Punkt wurde gefeiert. Aber es half alles nichts: Die deutsche Nummer eins fand einfach kein Mittel und verlor das Match. Die Hamburger verabschiedeten ihren Liebling mit aufmunterndem Applaus und hoffen, das er nächstes Jahr noch einmal wieder kommt.  „Ich weiß nicht wie oft ich noch hierherkommen kann, deshalb hätte ich gerne noch weiter gespielt. Aber Fabio spielt momentan sehr gutes Tennis und hat gerade im zweiten Satz die langen Ballwechsel für sich entscheiden können“, musste Haas die Überlegenheit seines Gegners anerkennen. Fognini bekommt es im Halbfinale am Samstag mit Nicolas Almagro zu tun, der sich in seinem Viertelfinale mit einem kleinen Wutausbruch erst so richtig auf Kurs brachte.

Nachdem er gegen Juan Monaco den ersten Satz mit 4:6 verlor, drosch der temperamentvolle Spanier rund zehnmal auf sein Spielutensil ein und bereitete es für den Abtransport zum Sperrmüll vor. „Was soll mit dem Schläger sein?“, fragte Almagro auf der anschließenden Pressekonferenz. „Es ist alles in Ordnung, ich kann im Halbfinale damit spielen.“ Wohl kaum, aber immerhin gab Almagro noch zu: „Ich habe das einfach gebraucht und es dann getan.“ Ein kleines Geständnis also, geholfen hat es. Nachdem er sich abreagierte, jagte er dem Titelverteidiger Monaco die Bälle um die Ohren, holte den Satzausgleich mit 6:0, ehe er im abschließenden Abschnitt sogar ein Break und einen 1:3-Rückstand wettmachte und sich mit einem 6:3 den Halbfinaleinzug sicherte. Dabei profitierte der sonst eher „giftig“ wirkende Almagro von Monacos fehlender Abgeklärtheit. Der Argentinier lies insgesamt 13 Breakchancen liegen. „Es war ein hartes Match. Ich habe mich nach dem ersten Satz richtig rein gehangen und dazu sind ihm noch mehrere Fehler nacheinander unterlaufen“, analysierte Almagro, der neben Federer als Top-Favorit auf den Titel gilt. „Ich werde versuchen hier zu gewinnen“, strahlte Almagro und lies ein Augenzwinkern folgen. Nicht weniger als eine echte Kampfansage.