Federer & Haas nehmen Tempo auf

Diesmal ließen sie sich nicht lange bitten. Die Publikumslieblinge Tommy Haas und Roger Federer haben jeweils nur zwei Sätze für den Einzug ins Viertelfinale der bet-at-home Open 2013 gebraucht.

Roger Federer hatte es ja bereits vor seinem Match gegen Jan Hajek angekündigt. „Ein enges Match hilft mir normalerweise immer. Danach komme ich immer stärker wieder“ – so geschehen auch heute gegen Jan Hajek. Anders als gegen Daniel Brands startete der Schweizer diesmal viel besser in die Partie und machte beim Stand von 5:4 das entscheidende Break zum Satzgewinn. Zwischenzeitlich machte der Schweizer zwar noch einige ungewohnte Fehler mit der Vorhand – aber bei den wichtigen Punkten war er dann da, dieser Federer-Zauber, diese Leichtigkeit, mit der er dann über den Platz schwebt. Das Hamburger Publikum begleitet diese Phasen immer wieder mit anerkennenden „Aaaaaas und Oooooooohs“. Es lief noch nicht alles nach Plan bei Federers 6:3 und 6:3-Sieg, aber er groovt sich langsam ein: „Ich kann sicher besser spielen, aber ich kämpfe mich langsam rein. Solche Siege braucht es momentan wie jetzt hier heute und gestern. Jedes Match, dass ich mehr spielen kann, gibt mir mehr Sicherheit und eine Chance noch besser spielen zu können.“

Bevor er seinen sechsten Machtball nutzen konnte, kassierte er noch eine Verwarnung. Der sonst so ruhige Schweizer ballerte den Ball nach einen Netzroller von Hajek auf das Stadiondach, nahm es aber nach der Partie mit Humor: „Ich habe gedacht, draußen hat einer gerufen und wollte einen Ball haben.“ So locker und sympathisch gibt sich Federer schon seit seiner Ankunft bei den bet-at-home Open.

Locker wirkte Lokalmatador Tommy Haas nicht immer bei seinem 6:2, 6:4-Erfolg gegen Carlos Berlocq. Anderthalb Sätze lang zeigte der Hamburger, warum er momentan so stark ist und warum auf Platz elf in der Welt noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen sein muss. Mit wahnsinnig platzierten Grundschlägen jagte er den Argentinier über den Platz. Der ackerte, lief und stöhnte dabei unglaublich laut. Aber es half nichts, der Deutsche gab ihm einfach keine Chance. Aber bei 5:1 im zweiten Satz drehte sich das Match auf einmal. Berlocq kam, zurück ins Spiel und Haas haderte mit sich. „Ich war am Ende auch etwas nervös. Ich wollte es einfach zu sehr zu machen“, sagte er nach dem Match. Die Nervosität bei seinem Heimturnier hemmte Haas derart, dass er nicht mehr so aggressiv die Linien anspielte und sein Gegner damit zurück ins Spiel verhalf. Bis auf 4:5 kam Berlocq sogar noch ran. Das Publikum feuerte seinen Liebling lautstark an und Haas ließ sich pushen und holte sich das letzte Spiel. Die Erleichterung war dem 35-Jährigen anzusehen, als er glücklich die Arme in die Höhe riss. Mit seinem heutigen Gegner Fabio Fognini hat Haas noch eine Rechnung offen. Beim ATP-Turnier in Stuttgart vergangene Woche unterlag er dem späteren Turniersieger. „Natürlich strotzt er nach seinem Turniesieg voller Selbstvertrauen. Ich werde versuchen etwas anders und besser zu spielen als in Stuttgart. Es kann ein gutes Match werden.“

Ebenso viel Grund zu jubeln hatte Florian Mayer, der gegen Feliciano Lopez aus Spanien mit 7:6, 6:2 siegte und damit zum vierten Mal in Folge das Viertelfinale am Hamburger Rothenbaum erreichte – eine wirklich beeindruckende Serie. In Hamburg fühlt sich Mayer schon ein bißchen wie zu Hause – das war auch im Match gegen Feliciano Lopez zu spüren. „Ich war vielleicht etwas zu angespannt, habe dann aber einen super Tie-Break gespielt und ab der Mitte des zweiten Satzes dann auch richtig gutes Tennis gezeigt“, freute sich Mayer, der weiterhin ohne Satzverlust beim diesjährigen Rothenbaum-Turnier ist. Im Viertelfinale wartet auf ihn nun mit Roger Federer eine riesengroße Herausforderung. „Wenn ich gegen ihn eine Chance habe, dann sicher hier in Hamburg auf Sand, da kann ich zwei Meter hinter der Grundlinie stehen und returnieren. Natürlich hängt aber auch viel von Roger ab“, weiß Mayer, der bisher in vier Spielen gegen Federer viermal als Verlierer vom Platz ging.

Souverän für das Viertelfinale qualifizierten sich Fabio Fognini (6:2, 6:4 gegen Marcel Granollers) und Qualifikant Federico Delbonis, der mit dem 6:4, 6:3 über den Russen Dmitry Tursunov schon seinen fünften Sieg bei den bet-at-home Open 2013 feierte und erstmals in diesem Jahr das Viertelfinale eines ATP-Turniers.

In der Runde der letzten Acht kommt es unter anderem auch zu der Neuauflage des Vorjahreshalbfinals zwischen Titelverteidiger Juan Monaco und Nicolas Almagro. Der an drei gesetzte Spanier spielt bis hierhin ein überragendes Turnier und ließ im Achtelfinale seinem Landsmann Guillermo Garcia-Lopez beim 6:2, 6:3 keine Chance. Monaco zeigte derweil erneut, das Hamburg für ihn so etwas wie das zweite zu Hause geworden ist. Allerdings wurde er gegen den Franzosen Benoit Paire mehr gefordert als sein heutiger Gegner. In dem emotionsgeladenen Duell zerstörte Paire sogar einen Schläger und unterlag am Ende 3:6, 6:3, 2:6.

Jerzy Janowicz musste dagegen enttäuscht das Handtuch werfen. In der Achtelfinalpartie gegen den Spanier Fernando Verdasco musste der junge Pole beim Stand von 5:7, 0:4 verletzungsbedingt die Segel streichen. Wie schon in Wimbledon, als Janowicz durchweg bandagiert angetreten war, bereitete der rechte Ellenbogen dem 22-Jährigen Kummer. So fühlte sich die Nummer vier der Setzliste gerade beim eigenen Aufschlag – was sich bereits beim Einschlagen erkennen ließ – stark gehandicapt. Ob der Überraschungshalbfinalist von Wimbledon kommende Woche im kroatischen Umag antreten wird, ist noch nicht geklärt. Verdasco bestätigte mit dem Viertelfinaleinzug seine starke Form, denn schon in Wimbledon erreichte er das Viertelfinale und schied erst nach hartem Kampf gegen den späteren britischen Triumphator aus.