Federer & Haas gleich zum Auftakt voll gefordert

Es war eine Kulisse wie aus dem Bilderbuch. Strahlend blauer Himmel über dem Tennisstadion am Hamburger Rothenbaum, ein bis auf den letzten Platz ausverkaufter Center Court – und auf dem Platz absolutes Weltklassetennis. Allen voran natürlich mit Roger Federer und Tommy Haas. Die beiden topgesetzten Spieler der bet-at-home 2013 brauchten allerdings jeweils drei Sätze, um ihre Auftaktaufgaben zu lösen.

Die Rückkehr von Roger Federer auf den Center Court am Hamburger Rothenbaum wurde zu einem echten Spektakel – allerdings auch zu einem schweren Arbeitstag für den Schweizer. Geburtstagskind Daniel Brands aus Bogen in Niederbayern hatte nämlich keine Geschenke für den Schweizer dabei und spielte, wie so oft in den letzten Monaten, gegen die besten Spieler der Welt auch sein bestes Tennis. „Nicht nur mitspielen, sondern das eigene Spiel durchziehen“ – das war der Matchplan des Deutschen und der ging im ersten Satz vollauf. „Daniel hat sehr gut begonnen und seine Chancen genutzt. Es ist bei seinem Spiel sehr schwer einen Rhythmus zu finden, weil man keine Ballwechsel bekommt“, meinte Roger Federer, der sich auch zu viele einfache Fehler leistete und den ersten Satz mit 3:6 abgeben musste. Je länger das Match dauerte, desto dominante wurde aber Federer. „Ich habe mich am Ende richtig gut gefühlt. Es ist super wieder in Hamburg zu sein. Und vor ausverkauften Rängen zu spielen, macht einfach noch mehr Spaß“, sagte der fünffache Rothenbaum-Titelträger, der nach 1:25 Stuinden mit 3:6, 6:3, 6:2 siegte. Für Daniel Brands blieben am Ende nur die Erkenntnis mal wieder gegen einen der Besten mitgehalten zu haben, ein Geburtstagskuchen von Turnierdirektor Michael Stich, und die stehenden Ovationen der Zuschauer, die „Brandy“ trotz der Niederlage für seinen couragierten Auftritt feierten. Für Federer wartet heute mit dem Qualifikanten Jan Hajek (ATP 140) eine vermeintlich etwas leichtere Aufgabe.

Tommy Haas musste sich für den Einzug ins Achtelfinale ebenfalls etwas mehr strecken, als viele erwartet hatten. Letztlich überstand der gebürtige Hamburger aber den Schock des verlorenen zweiten Satzes gegen Blaz Kavcic gut und freute sich genau wie Federer über die Unterstützung des begeisterten Publikums. „In meinem Alter hier vor Euch noch einmal spielen zu dürfen, ist wirklich etwas ganz besonderes“, meinte Haas, nachdem er seinen ersten Matchball gegen den slowenischen Qualifikanten zum 6:1, 4:6, 6:4 verwandelte. Hatte sich die Mehrzahl der 7500 Zuschauer nach dem glatten ersten Satz schon auf einen lockeren Sieg ihres Lieblings eingestellt, wurde es dann nochmal richtig eng. „Ich habe im zweiten Satz einige blöde Fehler gemacht und er hat deutlich besser gespielt und vor allem gefährlicher aufgeschlagen. Das ist ja das Schöne am Sport, das sich alles ganz schnell drehen kann“, sagte der 35-Jährige, der im dritten Satz das Spiel wieder diktierte. Um heute gegen Carlos Berlocq aus Argentinien zu bestehen, muss Haas aber noch eine Schippe drauflegen. Berlocq spielt vielleicht das beste Tennis seines Lebens und holte in der vergangenen Woche in Bastad den ersten ATP Tour-Titel seiner Karriere. Doch Haas hat sich schon eine ziemlich einfache Marschroute ausgedacht: „Einfach irgendwie wieder versuchen, den letzten Punkt zu gewinnen.“

Florian Mayer heute gegen Lopez

Einen kleinen Wehrmutstropfen gab es aus deutscher Sicht allerdings doch – ein deutsches Achtelfinale zwischen Florian Mayer und Jan-Lennard Struff wird es leider nicht geben. Struff verlor sein Zweitrundenspiel gegen den Spanier Feliciano Lopez mit 5:7, 3:6 – und dabei hatte für „Struffi“ doch alles so gut begonnen. Der 23-Jährige begann auf dem Center Court hochmotiviert und war vor allem der bessere Returnspieler. Da Lopez in Runde eins ein Freilos hatte, brauchte der Spanier etwas Zeit, um sich auf dem, von ihm nicht geliebten, Sandplatz, warmzuspielen. So führte der Deutsche im ersten Satz nicht nur schon mit 5:3, sondern ließ auch einen Satzball liegen. Lopez schlug zurück, holte sich vier Spiele in Folge und damit auch den ersten Durchgang mit 7:5. Immerhin: Struff ließ nicht locker, musste am Ende aber die Überlegenheit von Lopez, der es jetzt mit Florian Mayer zu tun bekommt, anerkennen. „Ich kenne Feliciano sehr gut, habe aber noch nicht oft gegen ihn gewonnen. Vielleicht klappt es ja gerade hier in Hamburg“, freut sich Mayer auf das fünfte Duell mit Lopez – bisher hat er dreimal den Kürzeren gezogen.

Ein erfolgreiches „Comeback“ schaffte auch Vorjahressieger Juan Monaco. „Pico“ ließ sich im Match gegen Gael Monfils von einem 1:4-Rückstand im ersten Durchgang nicht beeindrucken, drehte den Spieß um und zog schließlich mit einem 6:4, 6:4 über den französischen Publikumsliebling ins Achtelfinale ein und hat nun mit Benoit Paire einen weiteren Franzosen vor der Brust. Überraschend ausgeschieden ist Mikhail Youzhny. Der Finalist des Turniers in Halle/Westfalen verlor gegen Guillermo-Garcia Lopez aus Spanien 3:6, 7:6, 2:6.