Florian Mayer nimmt in der Dämmerung Kurs aufs Viertelfinale

Bevor am heutigen Mittwoch mit Tommy Haas und Roger Federer die absoluten Top-Stars ins Turnier eingreifen, bekamen die beiden schonmal einen Vorgeschmack darauf, was sie in den nächsten Tagen erwart et. Die Konkurrenz zeigte sich enorm angriffslustig, und besonders der Spani er Nicolas Almagro stellte unter Beweis, dass er an seine stark en Leistungen aus den letzten jahren in hamburg anknüpfen will. Als erster deutscher Spieler erreichte Florian May er das Achtelfinale.

„Flo“ Mayer und der Center Court am Hamburger Rothenbaum – das passt einfach! Hier blüht der Bayreuther auf, hier spielt er sein bestes Tennis. So auch an diesem gestrigen Sommerabend, als dem Bayern das so unorthodoxe Spiel des ukrainischen Emporkömmlings Alexandr Dolgopolov nichts anhaben konnte. Allerdings machte der an Position sieben gesetzte Dolgopolov seinem Kontrahenten das Leben auch in einigen Phasen recht leicht. Während Mayer, wie schon so häufig in den letzten Wochen, sehr solide und mit einem variablen Winkelspiel auftrat, leistete sich sein Gegenüber eine Vielzahl „unforced errors“. So schenkte er dem Franken das entscheidende neunte Spiel im zweiten Satz mit vier Fehlern gleich komplett. Mayer sagte derweil artig „danke“, nutzte 80 % der sich bietenden Breakchancen und tütete nach 65 Minuten ein 6:3, 6:4 ein. „Er spielt unberechenbar, aber ich habe wieder ein ordentliches Match gespielt und bin froh, dass ich gewonnen habe, meint Mayer auf den jetzt zur Belohnung ein freier Mittwoch wartet. Dann soll es aber noch einen Schritt weiter gehen. „Ich war in den letzten drei Jahren immer mindestens im Viertelfinale. Das möchte ich wieder schaffen und dann gegen Roger Federer zu spielen, wäre natürlich sehr schön.“

Ansonsten war es das aber auch schon fast mit der deutschen Herrlichkeit am Turnierdienstag – mal abgesehen vom tollen Auftritt des Jan-Lennard Struff, der in drei Sätzen gegen Leonardo Mayer gewann. Mit Tobias Kamke, Julian Reister und Matthias Bachinger sind nämlich gleich drei Deutsche ausgeschieden.

Tobias Kamke hat noch nie gegen Nicolas Almagro gewinnen können – und das bleibt auch nach dem gestrigen Match erst einmal so. Der Finalist des Jahres 2011 agierte mit seinem „Raketentennis“ auf konstant hohem Niveau und setzte sich deutlich 6:3, 6:3 durch. Dabei hatte der Hamburger besonders im zweiten Satz durchaus seine Chancen. Doch Almagro spielte enorm risikofreudig, mit einem fast außerirdischen Tempo und ließ vor allem bei eigenem Aufschlag einfach nichts zu. Das 6:3 für die spanische Nummer 15 der Welt im ersten Satz war dementsprechend nur folgerichtig. Deutlich gefrustet ließ sich Kamke zum Auftakt des zweiten Satzes zu Null breaken. Aber der Lübecker kam noch einmal zurück und holte sich das verlorene Spiel zum 3:3 zurück. Doch am musste Kamke die Überlegenheit des Gegners einfach anerkennen: „Er war einfach besser als ich und hat verdient gewonnen. Ich musste um jeden Ball fighten und er hat das so von oben runtergespielt“, meinte der Lokalmatador, der damit im zweiten Jahr in Folge bei seinem Heimturnier an Almagro gescheitert ist.

Eine Enttäuschung erlebte auch Julian Reister. Der Reinbeker erreichte im letzten Jahr noch das Achtelfinale und musste diesmal gleich nach der ersten Runde die Segel streichen. Reister verlor gegen den argentinischen Qualifikanten Federico Delbonis mit 3:6, 3:6 – aber das Match verlief längst nicht so einseitig, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Zwischenzeitlich dauerte alleine ein Spiel 21 Minuten. Reister probierte alles, doch meist hatte er in den entscheidenden Moment nicht das bessere Ende für sich. „Das Ergebnis hört sich eigentlich relativ glatt an, aber es war ein superenges Match. Wir haben beide sehr gut gespielt. Er war letztlich einen Tick besser“, sagte ein frustrierter Julian Reister.

Früh beendet waren die bet-at-home Open 2013 auch für Matthias Bachinger. Dabei hatte für den Bayern doch alles so gut begonnen. Er führte gegen Carlos Berlocq schnell mit 4:0, ehe der Argentinier aufdrehte. Bachinger konnte zwar den ersten Satz noch im Tie-Break gewinnen, doch danach ging nichts mehr. Zwar versuchte der Deutsche noch dagegenzuhalten, kassierte aber schließlich im zweiten und dritten Satz jeweils ein frühes Break und verlor mit 7:6, 1:6, 1:6.

Wesentlich souveräner präsentierte sich dagegen schon Gael Monfils. Der französische Publikumsliebling schlug den kasachischen Turniersieger von 2010, Andrey Golubev, leicht und locker 6:3, 6:3. Der „Gute-Laune-Mann“ aus Frankreich lieferte nicht nur eine ansprechende Show, sondern agierte in den wichtigen Momenten auch sehr konzentriert. „Ich habe immer Spaß auf dem Platz. Meine Eltern haben mir beigebracht, bei allem was ich im Leben mache, Spaß zu haben“, sagte Monfils, der heute im ersten Center Court-Match des Tages auf Juan Monaco trifft. „Das wird sehr interessant und eine schwierige Aufgabe. Juan hat das Turnier im vergangenen Jahr gewonnen, aber ich werde alles probieren, um ihn zu schlagen“, sagte Monfils, der das Wimbledon-Turnier aus persönlichen Gründen abgesagt hatte.