bet-at-home Open 2012: Haas begeistert, Monaco siegt

Viele hatten darauf gehofft, nur wenige hatten damit gerechnet. 19 Jahre nach dem „Heimsieg“ von Michael Stich war er wieder greifbar, der Traum vom deutschen Triumph. Und auch dieses Mal war es ein Lokalmatador, der am Rothenbaum zu großer Form auflief: Tommy Haas. Der 34 Jahre alte Wahl-Amerikaner steigerte sich in seiner Geburtsstadt von Runde zu Runde, begeisterte die Fans mit Siegen gegen Titelverteidiger Gilles Simon, Florian Mayer und den Weltranglisten-15. Marin Cilic und erreichte in seinem zehnten Anlauf erstmals das Finale. Alle träumten schon von einem norddeutschen Sommermärchen. Nur einer, der hatte was dagegen.

Juan Monaco war mit der Empfehlung von fünf ATP-Sandplatztiteln nach Hamburg gereist. Alle hatte er auf Sand gewonnen, zwei davon erst kurz zuvor in Vina del Mar und Houston. Am Rothenbaum war es für den 28 Jahre alten Sandplatzspezialisten aus Buenos Aires jedoch nie sonderlich gut gelaufen. Mehr als Runde drei hatte er bei seinen sechs Auftritten nicht erreicht. Bei den bet-at-home Open 2012 sollte sich das ändern. Zunächst sah es aber wieder so aus, als wäre die rote Asche in der Hallerstraße einfach kein gutes Pflaster für Monaco. In seinem ersten Match gegen Cedrik-Marcel Stebe lag die argentinische Nummer drei der Setzliste im entscheidenden Satz bereits mit 3:5 zurück, schaffte dann aber noch die Wende und rettete sich mit einem 6:4, 3:6, 7:5 in die nächste Runde. Es folgten Siege gegen Daniel Munoz-De La Nava und Jeremy Chardy. Das Finale erreichte Monaco durch ein hart erkämpftes 3:6, 6:3, 6:4 gegen Vorjahresfinalist und Top-10-Spieler Nicolas Almagro.

Das Endspiel zwischen Juan Monaco und Tommy Haas begann ganz nach dem Geschmack des Hamburger Publikums. Ihr Liebling ging schnell mit 4:1 in Führung und nährte damit die Hoffnungen auf den ersten deutschen Rothenbaum-Champion seit 1993. Mit fortlaufender Spieldauer fand Monaco jedoch immer besser ins Spiel, holte sich das Break zurück und glich zum 4:4 aus. Während die Tennisfans auf dem Center Court nun miterleben mussten, wie bei Haas die Unzufriedenheit über den Matchverlauf und das eigene Spiel stieg, demonstrierte der Argentinier seine Sandplatzqualitäten und gewann den ersten Durchgang mit 7:5.

Auch im zweiten Satz blieb es bis zum Schluss hochklassig und spannend. Haas fing erneut stark an, nahm seinem Gegner gleich den Aufschlag  ab, kassierte sofort im Anschluss jedoch das Rebreak. Bei 3:3 gelang Monaco ein weiteres Break und dieses Mal war es Haas, der zurückschlug. Mit einer sensationellen Rückhand longline glich er aus, das Match war wieder offen. Der Center Court bebte, „Tommy, Tommy“-Rufe hallten durch das Stadion. In dieser entscheidenden Phase des zweiten Durchgangs zeigte Juan Monaco jedoch noch einmal seine ganze Klasse. Er breakte Haas erneut, brachte anschließend seinen Aufschlag zum 6:4 durch und krönte sich damit zum Tenniskönig von Hamburg. Mit seinem Triumph am Rothenbaum feierte der Südamerikaner nicht nur seinen größten Erfolg auf der ATP World Tour, er erreichte auch einen weiteren Meilenstein seiner Karriere: den erstmaligen Einzug in die Top 10 der Weltrangliste. „Das war ein sehr emotionaler Moment. Ein Traum ist Wirklichkeit geworden“, betonte Juan Monaco anschließend.

Während der Sieger seinen Erfolg kaum fassen konnte, zog auch der Unterlegene trotz verpasstem Happy End ein positives Fazit. "Natürlich ist man enttäuscht, wenn man so nah dran ist und es dann nicht klappt. Dieser Titel hier in Hamburg hätte mir viel bedeutet. Auf der anderen Seite habe ich hier vor heimischem Publikum hervorragendes Tennis gespielt und es bis in das Finale geschafft“, so Haas über sein erfolgreiches Comeback nach sechs Jahren Rothenbaum-Abstinenz. „Ich habe die Woche sehr genossen und freue mich auf ein Wiedersehen.“ Die Tennisfans in Hamburg auch!