Finale! Tommy Haas auf den Spuren von Michael Stich

Das war Gänsehaut pur! Um exakt 18.15 Uhr rauschte gestern die letzte Vorhand von Marin Cilic bei diesem Turnier ins Netz und Tommy Haas streckte seine Arme in den tiefblauen Hamburger Abendhimmel – mit dem fünften Matchball war es tatsächlich geschafft. 7000 Zuschauer hielt es nicht mehr auf ihren Sitzen. „Standing Ovations“ für Tommy Haas, dem ersten deutschen Finalteilnehmer am Hamburger Rothenbaum seit 19 Jahren. Überhaupt ist Haas erst der sechste Deutsche in den letzten 50 Jahren (nach Wilhelm Bungert und Christian Kuhnke (1964), Karl Meiler (1973), Boris Becker (1990) und Michael Stich (1992 und 93) der in das Endspiel des wichtigsten deutschen Tennisturniers einzieht. Bei solch großen Erfolgen, braucht es seine Zeit bis man, realisiert, was einem da geglückt. Und auch Tommy Haas fehlten erst mal die Worte: „Das ist unfassbar. Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier noch einmal im Finale stehen kann. Einfach unglaublich“, wusste Haas selber nicht so recht wie ihm in dieser Turnierwoche am Rothenbaum geschah.

Das Halbfinale gegen Cilic war das Sahnehäubchen auf einer Reihe von bemerkenswerten Auftritten des 34-Jährigen, der sich aber immer noch bewegt wie ein junger Gott. Allerdings brauchte der ehemalige Weltranglistenzweite ein paar Minuten, um sich im Match zu akklimatisieren. Cilc kam besser aus den Startlöchern legte ein flottes 3:0 vor. Haas wurde aber nicht hektisch, sondern wartete geduldig auf seine Chance, zog zum 3:3 nach und hatte beim Stande von 5:5 sogar drei Breakbälle. Der Kroate hielt jedoch in diesem mental anspruchsvollen und ausgeglichenen Duell dagegen und hatte seinerseits, bis zum 6:3 im Tie-Break ganze vier Satzbälle. Er verwandelte aber keinen einzigen. Haas ließ sich zu keiner Zeit verrückt machen, zog „sein Ding durch“ und hatte bei seinem ersten Satzball auch das nötige Quäntchen Glück, als ein Netzroller von Cilic ins Aus segelte. Satzgewinn für Haas – ein Meilenstein auf dem Weg ins Finale! Eine kleine Schrecksekunde gab es noch zu Beginn des zweiten Satzes, als Haas ausrutschte und sich eine Schürfwunde an der Hand zuzog. Doch auch das konnte einen Tommy Haas nicht mehr aufhalten. Cilic wirkte nach dem Satzverlust angeschlagen, machte plötzlich viel zu viele Fehler und Haas war nicht mehr gewillt, sich vom Weg ins Finale abbringen zu lassen. Nach knapp zwei Stunden war es dann geschafft. Finale!

Im Endspiel der bet-at-home Open 2012 trifft Haas nun auf Juan Monaco. Der Argentinier stand schon in der Vorwoche im Finale von Stuttgart, schien bereits in seinem Auftaktmatch gegen Cedrik-Marcel Stebe und musste an seine Grenzen gehen.  

Doch erst einmal in Schwung gekommen, war Monaco nicht mehr zu bremsen – auch nicht von Turnierfavorit Nicolas Almagro im gestrigen Halbfinale. Beim 3:6, 6:3 und 6:4-Erfolg boten beide Akteure Sandplatztennis der absoluten Spitzenklasse. Almagro startete besser in die Partie machte weniger Fehler und spielte vor allem mit der starken Rückhand präziser. Aber Stehaufmännchen Monaco bewegte sich besser und kämpfte sich ins das Spiel zurück. Vor allem seine Chancenverwertung war beeindruckend – gleich der erste Satzball saß. Im dritten Satz wirkte der Argentinier dann wieder etwas müde und lag schnell 1:3 zurück. Aber der Begriff „aufgeben“ kommt im Wortschatz des Juan Monaco nicht vor. Auch eine Blas brachte ihn nicht aus dem Rhythmus – im Gegenteil. Der 28-Jährige drehte jetzt richtig auf und trieb Almagro immer wieder mit seiner nadal-ähnlichen Vorhand-Topspin-Peitsche über den Platz – und drehte die Partie noch einmal und freute sich riesig über seinen zweiten Finaleinzug innerhalb von sieben Tagen: „Ich bin sehr zufrieden, wie ich heute gespielt habe. Das war ein großartiges Match. Ich bin einfach relaxed geblieben und habe meine Chancen genutzt“