Kohlis erstes Mal – Ach wie Chardy: Reister raus

Acht Anläufe hat Philipp Kohlschreiber gebraucht – jetzt er endlich zum allerersten Mal im Viertelfinale des wichtigsten deutschen Tennisturniers. Julian Reister ist dagegen im dritten Versuch zum dritten Mal gescheitert. Dennoch verließ er den „Center Court der Welt“ nach tollem Kampf gegen Jeremy Chardy erhobenen Hauptes.

Einmal ist immer das erste Mal! Philipp Kohlschreiber feiert heute Premiere. Der Augsburger steht am Hamburger Rothenbaum zum ersten Mal überhaupt in der Runde der letzten Acht. 82 Minuten brauchte er für das 7:5, 6:2 gegen den Italiener Fabio Fognini. „Ich habe mir selber schon etwas Druck gemacht, weil ich hier unbedingt erstmals ins Viertelfinale wollte“, erklärte Kohlschreiber die eindeutige Zielsetzung vor dem Match. Allerdings begann der Bayer zunächst sehr nervös, lag schnell  1:4 hinten, brachte sich aber mit drei Spielen in Folge wieder zurück in die Spur und hatte auch am Ende des ersten Satzes die Nase vorn. „Am Anfang bin ich etwas zu überhastet auf Punkte gegangen, habe viele Fehler gemacht. Er hat sehr solide gespielt und mich auch mit seiner Rückhand etwas überrascht. Dann habe ich mich aber sehr gut auf sein Spiel eingestellt und hatte immer das Gefühl, dass ich in jedem Spiel Chancen hatte“, analysierte der deutsche Davis Cup-Spieler treffend. Im zweiten Satz machte Kohlschreiber schließlich deutlich weniger Fehler, gewann etliche Punkte durch toll anzusehende Stopps, während Fognini mit sich, seinen Fehlern und dem Schiedsrichter haderte. Vor lauter Wut drosch der temperamentvolle Italiener sogar einen Ball auf die Tribüne und fing sich dafür eine Verwarnung ein. „Kohli“ blieb aber cool und so war der zweite Satz eine klare Angelegenheit. Deutschlands Nummer eins siegte verdient und freut sich auf das Viertelfinale: „Gegen Almagro wird es natürlich eine harte Nuss. Aber ich habe die Chance mein Career High zu erreichen und möchte das auch schaffen“, freut sich Kohlschreiber über sein bestes Ergebnis in Hamburg aller Zeiten.

Wenn es noch einen Schritt weiter, also ins Halbfinale gehen soll, wird Kohlschreiber aber noch eine Schippe drauflegen müssen. Vorjahresfinalist Nicolas Almagro ist nämlich auch in diesem Sommer in bestechender Form und schlug trotz eines kurzen Hängers zu Beginn des zweiten Satzes Nikolay Davydenko klar mit 6:4, 6:3. Der Rothenbaum-Sieger von 2009 spielte in den wichtigen Situationen nicht druckvoll genug, und leistete sich zu viele „unforced errors“, um Almagro gefährlich werden zu können. Der French Open-Viertelfinalist dominierte letztlich gerade mit seiner krachenden Vorhand klar und hat nun, wie bereits im Vorjahr Philipp Kohlschreiber vor der Brus. Damals traf man sich allerdings im Achtelfinale – diesmal eine Runde später.

Julian Reister ist es derweil leider nicht gelungen das deutsche Quartett im Viertelfinale zu komplettieren. Alle Anfeuerungen der 5000 Zuschauer auf dem Center Court nützen am Ende nichts. Julian Reister selbst versuchte ebenfalls alles, aber Jeremy Chardy war am Ende doch eine Nummer zu groß. Mit 5:7, 4:6 zog der Reinbeker den Kürzeren – chancenlos war er aber weiß Gott nicht. Letztlich nutzte er nur eine seiner sechs Breakchancen, Chardy nahm „Riese Reister“ dagegen gleich fünfmal das Service ab und nutzte seine Chancen einfach konsequenter. Speziell bei den Netzangriffen war dem Norddeutschen anzumerken, dass nach der langen Verletzungspause noch das nötige Timing und die Spielpraxis fehlt, um wieder an alte Erfolge anzuknüpfen. „Er war einen Tick aggressiver, hat sehr gut aufgeschlagen und verdient gewonnen. Ich hatte heute aber im dritten Spiel erstmals das Gefühl, dass ich gegen ihn gewinnen könnte“, sagte Reister.  Am Ende stand dennoch die dritte Niederlage bei der dritten Achtelfinal-Teilnahme von Reister am Rothenbaum – dennoch: Nach mehrmonatiger Verletzungspause hat der Lokalmatador mit seinem Sieg über Fernando Verdasco seine Wildcard allemal gerechtfertigt. „Ich hätte natürlich gerne gewonnen, aber ich bin überrascht wie gut ich schon drauf bin. Ich fühle mich topfit“, meint der Hamburger. „Reisters Reise geht in jedem Fall weiter, wenn auch nicht in diesem Jahr am Rothenbaum.   

Chardys heutiger Gegner Juan Monaco besiegte im ersten Match des Donnerstags den spanischen Qualifikanten Daniel Munoz del la Nava nach intensiven 117 Minuten mit 7:6 (4), 6:3. Für seinen Viertelfinaleinzug musste der Argentinier hart arbeiten, denn insgesamt 12 Breaks (!) verhinderten, dass er über längere Phasen zu seinem Rhythmus fand. Dennoch wurde am Ende wieder klar: Monaco ist auf Sand einer der besten seiner Zunft.