In der Ruhe liegt die Kraft – Defensivmeister Simon ist neuer Kapitän der MS Rothenbaum

Es war das wahrscheinlich beste Match der Woche – Nicolas Almagro gegen Gilles Simon – zwei Top-20-Spieler im Kampf um die Trophäe am Hamburger Rothenbaum – mit dem besseren Ende für Simon, der letztlich vor allem auf Grund seiner Beweglichkeit und Schnelligkeit seinen Gegenüber regelrecht zermürbte. So sicherte sich der 26-jährige Familienvater vor 3500 Zuschauern nach zwei Stunden und 39 Minuten den neunten ATP-Titel seiner Karriere und ist damit der erste französische Sieger in der Hansestadt seit 25 Jahren. „Es war ein hartes Match. Ich musste unglaublich viel laufen und deshalb bin ich wirklich froh, hier bei einem meiner Lieblingsturniere, gewonnen zu haben“, sagte Simon im Anschluss der Partie.

Von Beginn an hielt das Endspiel, was es von den Namen her versprach. So dauerten allein die ersten fünf Spiele schon 30 Minuten. Darunter auch das entscheidende für Durchgang eins. Beim Stand von 2:2 nutzte Simon – trotz vier vergebener Breakbällen nach 0:40 – seine fünfte Möglichkeit und nahm Almagro das Service zur 3:2-Führung ab. Auch sein eigenes anschließendes Aufschlagspiel konnte Simon – trotz des auf ihn einprasselnden Ballgewitters seitens Almagro – verteidigen und mit 4:2 den Vorsprung sogar vergrößern. Wie nervenaufreibend dennoch gerade dieses Aufschlagspiel war, verdeutlichten immer wieder die Gesichtszüge des Spaniers, der sich mehr und mehr über die Entscheidungen der Linienrichter aufregte. Seinen ersten Ausbruch erlebte das Publikum dennoch erst nach dem Spielball zum 5:3. Almagro schrie sich seinem Frust von der Seele, ganz zum Unmut des Linienrichters, dessen Stuhl er zeitgleich mit dem Fuß kickte. Nach einer Stunde verwandelte die französische Nummer vier letztlich seinen ersten Satzball zum 6:4, nachdem er zuvor ganze drei Breakchancen vereitelte – beziehungsweise bewundern konnte, wie Almagro binnen weniger Sekunden zwei Vorhandfehler in Folge unterliefen.

Im zweiten Durchgang war Almagro durchweg der aktivere Posten. So holte sich der Weltranglisten-14. Bereits frühzeitig das Break zum 2:0. In dieser Phase hatte der Spanier den Franzosen voll im Griff, schickte ihn von rechts nach links und variierte geschickt das Tempo. Simon hatte auch in der Folge weiterhin Probleme gerade beim eigenen Service. So war das Fehlen eines echten Gewinnschlages gerade in dieser Phase deutlich zu spüren. Doch Der Franzose glaubt an seine Chance – und so kam es dann auch. Simon startete einen Zwischenspurt, suchte selbst durch flexiblere Aktionen – wie zum Beispiel Serve and Volley – die Chance zum Comeback. Mit Erfolg denn dem 26-Jährigen gelang nicht nur das Break zum 2:3, sondern wenig später völlig überraschend sogar das Führungsbreak zum 4:3. Doch wer in dieser Phase den spanischen Sandplatzwühler abschrieb, sollte eines besseren belehrt werden. Almagro bäumte sich noch einmal auf, erkämpfte das direkte Rebreak und erzwang wenig später den dritten Aufschlagverlust des Franzosen zum 6:4-Satzausgleich nach knapp zwei Stunden.

In Durchgang drei war es letztlich ein Erfolg der besseren Nerven. Simon verschlief diesmal nicht den Satzbeginn – eher im Gegenteil, er startet voll durch und holte sich das Break zum 1:0. Insgesamt war es ein von Breakbällen geprägtes Spiel – so sollten am Ende insgesamt 33 Breakmöglichkeiten beider Kontrahenten zu Buche stehen. Doch auch in kritischen Situationen behielt Simon nun die Oberhand – und das obwohl er noch immer nur aus der Defensive agierte. Doch eben das mit Erfolg. Nach zwei Stunden und 39 Minuten verwandelte er seinen ersten Matchball zum 6:4, 4:6, 6:4-Erfolg über Almagro, der zweite über den Spanier im dritten Vergleich. „Ich denke, es war das schwerste Finale was ich bislang gespielt habe. Nicolas hat sehr gut gespielt. Er hat jeden Ball unglaublich hart geschlagen“, so Simon. Für Almagro ist es ein kleiner Rückschlag. Schließlich stand er in diesem Jahr bislang viermal in einem Sandplatzendspiel – holte davon drei Titel. Nichtsdestotrotz steht er ab dem kommenden Montag erstmals seit dem 9. Mai wieder unter den Top-Ten gelistet sein.