Almagro oder Simon – wer wird Hamburgs Tennisstar?

Am Ende einer langen Turnierwoche wird es eine echte Kraftfrage! Gilles Simon oder Nicolas Almagro – wer sichert sich den Titel bei den bet-at-home Open 2011? Im Endspiel wartet nun ein Duell der Gegensätze, ein tiefenentspannter Franzose fordert einen der extrovertiersten Sandplatzwühler auf der Tour.

Aber wer ist dieser Gilles Simon eigentlich? Jedenfalls kein cooler Rapper wie Landsmann Monfils oder ein halber Muhammed Ali wie Jo-Wilfried Tsonga, vielmehr ein sympathischer Leisetreter, der aber auch gerne von sich reden macht, oder über sich redet. Seine französische Antwort bei der gestrigen Pressekonferenz war fast so lang wie sein dritter Satz gegen Mikhail Youzhny – ein echt entspannter Typ, der sich heimlich still und leise auf der ATP World Tour und beim Rothenbaum-Turnier nach oben gearbeitet hat. Im Vorjahr war ihm die Bürde des Topgesetzten in Hamburg noch zu schwer – er unterlag gleich in Runde eins gegen Daniel Brands. Nach einer langen Pause wegen einer Knieverletzung war der ehemalige Weltranglistensechste damals noch auf dem Weg zurück nach ganz oben. Durch beharrliche Arbeit zählt er jetzt wieder zum Kreis der Top 20. Apropos Beharrlichkeit – genau das war auch im halbfinale gegen Mikhail Youzhyn der Schlüssel zum Erfolg. Auch von einem verlorenen ersten Satz lässt er sich nicht aus dem Konzept bringen, sondern wartet auf seine Chance und schlägt dann eiskalt zu. So geschehen im zweiten Satz, als er sein erstes Break zum 2:0 noch nicht transportieren konnte, ab dem 3:3 dann aber sieben Spiele in Folge gewann und damit nicht nur den Satzausgleich, sondern auch eine Vorentscheidung im dritten Satz schaffte. Das 3:6, 6:3, 6:1 nach etwas mehr als zwei Stunden Spielzeit war auch ein Sieg der besseren Physis gegen Youzhny, dem sein Drei-Stunden-Viertelfinale gegen Marin Cilic am Ende sichtlich zu schaffen machte. Für Simon war es zudem auch ein Triumph gegen seinen Angstgegner, denn Youzhny hatte die ersten Partien der beiden Kontrahenten allesamt für sich entschieden. „Am Anfang war es heute sehr schwer für mich, aber dann bin ich besser ins Match gekommen und es war wesentlich enger. Ab der Mitte des zweiten Satzes hat er dann mehr Fehler gemacht, ich wurde selbstbewusster und dann fing es an, Spaß zu machen“, freute sich „Gilou“ diebisch über seinen Coup, denn schließlich hat er in Hamburg bisher noch nicht viel reißen können. „Ich habe hier bisher nicht so gut gespielt, aber ich wollte das Turnier schon immer gewinnen und wenn ich morgen gewinne, dann bin ich wieder in den Top 10“, hat Simon ein ganz klares Ziel – den großen Schiffsschraubenpokal heute Nachmittag abzuräumen.

Wenn sich Simon aber einen Endspielergegner hätte aussuchen können, dann wäre das nicht Nicolas Almagro gewesen. Doch Tennis ist nun mal kein Wunschkonzert: Und deshalb ist Simon heute wohl auch nur leichter Außenseiter, gegen einen Mann, der alle seine bisherigen zehn Titel auf Sand geholt hat. Auf seinem Weg ins Endspiel gab er keinen einzigen Satz ab und demonstrierte mit drei beeindruckenden Vorstellungen auf dem Center Court seine Stärke. Erst mussten die beiden Deutschen Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer dran glauben, gestern war dann Almagros Landsmann Fernando Verdasco an der Reihe. Almagro agierte mal wieder wie ein kleiner Terrier: nie locker lassen und genau dann zubeißen, wenn der Gegner am wenigsten damit rechnet. Beim 5:4 im ersten Satz machte Almagro dann ernst und forcierte das Tempo nochmals. Seine brutale Rückhand in Kombination mit der überragenden Beinarbeit und Beweglichkeit brachte Verdasco zur Verzweiflung. Jeder Ball kam zurück und die Fehler Verdascos waren vorprogrammiert. Almagro schaffte das Break zum Satzgewinn und legte in Satz zwei gleich nach. Das Break zum 3:1 war die Vorentscheidung, denn bei eigenem Aufschlag war Almagro ohnehin unantastbar. „Ich bin einfach zufrieden mit meinem Spiel und fühle mich auf diesem Belag sehr wohl“, sieht Almagro den neuerlichen Finaleinzug als Bestätigung seiner harten Arbeit und verspricht auch heute wieder einen leidenschaftlichen Auftritt. „Das gehört zu meinem Spiel. Ich bin nun mal so emotional“, erklärt Almagro, der den Abend vor dem Finale mit seinem Team und seiner Freundin in einem italienischen Restaurant verbrachte um noch einmal Kraft zu tanken für das große, emotionale Finale.

Im Anschluss an das Einzel-Finale steht noch das Endspiel im Doppel-Wettbewerb an. Hier verpassten Andreas Beck und Christopher Kas den Einzug ins Endspiel nur knapp. Das deutsche Duo verlor gegen die österreichische Kombination Oliver Marach/Alexander Peya mit 6:7 und 4:6 und scheiterten zum zweiten Mal in Folge in der Vorschlussrunde in Hamburg. Marach/Peya treffen heute im Finale auf Crantisek Cermak (Tschechien) und Filip Polasek (Slowakei).