Schade Flo! – Mayer als letzter Deutscher ausgeschieden!

Auch das nasskalte Hamburger Schmuddelwetter konnte die Stimmung der Zuschauer am Hamburger Rothenbaum nicht trüben. 6000 Fans feierten auch am Viertelfinaltag ein echtes Tennisfest. Im Mittelpunkt stand dabei natürlich Florian Mayer, der letzte Deutsche im Turnier. Letztlich musste er sich aber doch den brettharten Grundschlägen von Nicolas Almagro beugen und unterlag 6:7, 6:7. Insgesamt gab es gestern fast neun Stundenpackendes Sandplatztennis zu sehen.

Es war ein echtes Grundlinienfeuerwerk, dem sich Mayer im Duell mit dem Spanier gegenüber sah. Almagro prügelte auf alles ein, was gelb war und sich bewegte – und traf im Endeffekt deutlich häufiger als der Deutsche. Speziell in Satz eins hielt Mayer noch gut mit, setzte durch offensive Netzangriffe selber Akzente und schaffte es verdientermaßen in den Tie-Break. Hier drehte er sogar eine 0:3-Führung in einen 5:3-Vorsprung um, verlor dann allerdings wieder seine Linie. Nicht zum ersten Mal ließ Mayer nach als es drauf ankam, ermöglichte Almagro durch den einen oder anderen zu leichten Fehler vier Zähler am Stück und damit den Satzvorsprung. Angestachelt und voller Selbstvertrauen wurde Almagro noch einen Tick aggressiver – wenn das überhaupt noch möglich war – und übertrieb es damit ein wenig. Mayer arbeitete sich nach einem Break wieder auf 4:4 heran und bot den Zuschauern allerbeste Tennis-Unterhaltung und einen beherzten Kampf. Im Tie-Break zog er aber wieder den Kürzeren, denn Almagro legte nochmal ein paar Prozent nach und gewann am Ende sicher nicht unverdient. „Natürlich bin ich jetzt enttäuscht, aber spielerisch war es ein sehr, sehr gutes Match von mir und darauf kann ich aufbauen. Das hat schon einen Riesenspaß gemacht, denn auch die Zuschauer haben alles gegeben um mich zu unterstützen“, konnte Mayer trotz der Niederlage noch ein versöhnliches Fazit ziehen.

Gleich zu Beginn des Viertelfinaltages spielte sich auf dem Center Court am Rothenbaum ein echtes Tennis-Drama ab. Unter dem geschlossenen Dach des Center Courts bekämpften sich Marin Cilic aus Kroatien und der Russe Mikhail Youzhny über fast drei Stunden nach allen Regeln der Kunst. Beide haben die ersten Runden am Rothenbaum genutzt, um ihren Rhythmus zu finden und lieferten sich nun ein Duell auf höchstem Niveau – und dazu war es auch noch mega-spannend. Cilic kam besser ins Match, holte sich Satz eins, doch Youzhny zog nach und war im entscheidenden dritten Satz sogar der aktivere Spieler. Der entscheidende Tie-Break bot dann Dramatik pur, Youzhny war schon 4:1 vorne, doch Cilic legte fünf Punkte in Folge nach und erarbeitete sich zwei Matchbälle. Zum Sieg reichte das aber nicht, denn jetzt war Youzhny wieder dran. Plötzlich hatte der Russe seinen ersten Matchball, den er mit einem Netzroller (!) verwandelte. Erleichterung ohne Grenzen bei Youzhny, der die Netzkante zum Dank mit einem dicken Schmatzer belohnte, während Cilic sein Pech einfach nicht fassen könnte. „Ich war heute einfach nur der Glücklichere“, freute sich Youzhny nach einer Partie, die eigentlich zwei Sieger verdient gehabt hätte.

Auch in einem Duell zweier Freunde ging es kurz darauf über die volle Distanz. Gael Monfils und Gilles Simon kennen sich aus der französischen Davis Cup-Mannschaft praktisch in- und auswendig – und das war der Partie in den ersten beiden Sätzen auch anzumerken. In langen Ballwechseln versuchten beide sich den Gegner „zurechtzulegen“, um im entscheidenden Moment das Tempo anzuziehen. In Durchgang eins gelang dies Simon deutlich besser (6:4), bevor der topgesetzte Monfils den Satzausgleich schaffte. Der Weltranglistensiebte wirkte in der von Taktik und Spielwitz geprägten Begegnung nicht ganz so spritzig wie bei seinen ersten beiden Auftritten – sicher waren auch die kühlen Temperaturen nicht unbedingt nach seinem Geschmack. Monfils verschlief dann den Start in Satz drei komplett, Simon legte schnell ein Break vor und war dann nicht mehr zu stoppen, zumal Monfils nun „Hopp oder Top“ spielte. „Durch das frühe Break habe ich mehr Selbstvertrauen bekommen und vieles wurde somit einfacher“, zog Simon nach dem 6:4, 3:6, 6:0 zufrieden Bilanz. Die Hamburger Tennisfans bejubelten derweil nicht nur Simon, sondern auch Monfils, der in den vergangenen Tagen mit seinem spektakulären Spiel zum Publikumsliebling avancierte und am Ende gebührend verabschiedet wurde. Übrigens: Dass sich dort zwei echte Freunde gegenüber standen, war spätestens bei der Verabschiedung am Netz klar – denn da gab´s noch schnell ein Küsschen links und ein Küsschen rechts.

Das große Finale des Freitags hatte es dann noch mal in sich. Um 20:05 Uhr betraten Fernando Verdasco und Jürgen Melzer den Center Court und lieferten sich einen „Krimi zur besten Sendezeit“, denn spannender und abwechslungsreicher geht´s auch im Tatort nicht zu. Gut zwei Stunden später, um 22:07 Uhr, holt Verdasco zum entscheidenden Schlag aus: Einer dieser brandgefährlichen Topspin-Vorhände klatscht genau auf die Grundlinie und Jürgen Melzer starrt fassungslos in Richtung Dach. Über 120 Minuten hatte der Österreicher hart gearbeitet, einen Satzrückstand wettgemacht, sich gegenüber den letzten Wochen deutlich formverbessert gezeigt und hatte auch Chancen zum Sieg, doch um 22:13 Uhr war der Traum von einer neuerlichen Finalteilnahme am Rothenbaum geplatzt. Verdascos Longline-Vorhand war für den Niederösterreicher nicht mehr zu erreichen und der Madrilene schrie sich mit einem lauten „Vamos“ ins Halbfinale und feierte ein 6:2, 3:6, 6:4. Wenn´s heute ähnlich spektakulär weitergeht, hätte sicher niemand etwas dagegen.