The same procedure as last year

Es war ein kleines De ja vu-Erlebnis. Wie im Vorjahr steht Florian Mayer am Hamburger Rothenbaum als einziger deutscher Tennisprofi im Viertelfinale und muss sich im heute mit Nicolas Almagro auseinandersetzen, der den Traum von Philipp Kohlschreiber erstmals ins Rothenbaum-Viertelfinale einzuziehen, zunichte machte.

Nach seinem Auftakterfolg gegen Marsel Ilhan aus der Türkei hatte Mayer noch ein wenig mit sich gehadert – gestern Abend hatte er dazu aber keinen Grund mehr. Sein 7:5, 7:5-Erfolg gegen den Argentinier Juan Monaco war eine Demonstration von echter Qualität in den entscheidenden Momenten. Der Deutsche tat sich zunächst etwas schwer ins Match zu finden und lag schnell mit einem Break hinten. „Am Anfang habe ich mich nicht so wohl gefühlt und war auch etwas nervös, aber danach war es eine deutliche Steigerung zu meinem ersten Match und ein guter Sieg gegen einen guten Mann auf Sand“, freute sich Mayer über seinen Erfolg, den er besonders seiner Geduld zu verdanken hatte. In beiden Sätzen legte er immer in der Endphase noch eine Schippe drauf und zog Monaco so den Zahn. Das entscheidende Break im zweiten Satz schaffte der Deutsche, auch dank der Unterstützung der rund 4500 Zuschauer sogar zu Null. „Die Fans haben mich heute super unterstützt“, bedankte sich der aktuell beste deutsche Tennisprofi auch für den Rückhalt der Fans.

Wenn es, wie im Vorjahr, erneut ins Halbfinale oder etwas weiter gehen soll muss, laut Mayer, jetzt aber noch der nächste Schritt folgen, denn speziell beim Aufschlag sieht der Bayreuther noch großes Verbesserungspotenzial. Nach Mayers Sieg träumten die Tennisfans am Rothenbaum schon von einem rein deutschen Duell zwischen Mayer und Philipp Kohlschreiber, doch „Kohli“ blieb der Einzug in die Runde der letzten Acht erneut verwehrt. Der Davis Cup-Spieler mühte sich unter dem gleißenden Flutlicht des Center Courts am Ende vergeblich, denn Almagro spielte unter dem Strich einfach einen Tick präziser und wuchtiger. „Es war vielleicht eine Kombination daraus, dass ich nicht mein höchstes Level erreicht habe und er einen sehr starken Tag hatte“, fasste Kohlschreiber zusammen und ärgerte sich besonders darüber, dass er in Satz zwei nach 3:5-Rückstand noch zum 5:5 ausgleichen konnte, dann aber postwendend das entscheidende Break zum 3:6, 5:7 kassierte – und wieder war das Achtelfinale Endstation.

Bereits einige Stunden zuvor hatte Gael Monfils seine nächste Showeinlage auf dem Center Court abgeliefert. Spektakulär und schnörkellos servierte das französische Muskelpaket den Finalisten von 2006, Radek Stepanek, ab und buchte mit einem 6:4, 6:4 sein Viertelfinalticket. Knackpunkt waren dabei vor allem die aggressiven Returns von Monfils, der sich trotz des zweiten beeindruckenden Auftritts immer noch ein wenig gegen die Rolle des Topfavoriten wehrt. „Die Zeitungen schreiben zwar jeden Tag, dass ich der Favorit bin, aber es sind so viele gute Spieler hier und morgen habe ich einen schweren Gegner.“

Etwas im Schatten des Center Courts spielte sich auch Jürgen Melzer in die Runde der letzten Acht. Der Vorjahresfinalist musste aufgrund der zahlreichen deutschen Erfolge an den ersten Tagen in seinen beiden ersten Matches jeweils auf einem Außenplatz ran. Gestern bezwang er immerhin den italienischen French Open-Viertelfinalisten Fabio Fognini in zwei Sätzen und bewies damit aufsteigende Tendenz – es ist Melzers erste Viertelfinalteilnahme seit April. So werden genau wie bei Florian Mayer auch bei Jürgen Melzer Erinnerungen an die Erfolgswoche in Hamburg aus dem Sommer 2010 wach.

Im Doppel-Wettbewerb stehen zwei Deutsche bereits im Halbfinale! Christopher Kas und Andreas Beck bewiesen gestern im Match-Tie-Break gegen Lukas Dlouhy/Michal Merinak Nervenstärke und gewannen mit 13:11 – das gleiche Duell gab es übrigens auch schon im vergangenen Jahr im Viertelfinale von Hamburg. Und auch damals gewannen Kas und Beck. Ihre Gegner im Kampf um den Finaleinzug sind am Samstag Oliver Marach und Alexander Peya aus Österreich.