Über Hamburg lacht die Sonne

Hamburg 12 Uhr, 26 Grad, die Sonne brennt! Bei traumhaftem Sommerwetter war der dritte Hauptfeldtag der bet-at-home Open 2011 für die Zuschauer ein Genuss und für die Profis Schwerstarbeit. Mit Florian Mayer, Cedrik Marcel Stebe und Philipp Kohlschreiber spielten sich gleich drei weitere Deutsche ins Achtelfinale – und auch die drei topgesetzten Akteure um Paradiesvogel Gael Monfils wussten zu begeistern.

Gleich zum Auftakt quälte sich Qualifikant Bastian Knittel exakt drei Stunden lang gegen den ehemaligen Top Ten-Spieler Marin Cilic – verpasste aber bei der 3:6, 7:6, 4:6-Schlappe hauchdünn die verdiente Belohnung. Knittel kämpfte sich im zweiten Satz gut zurück, behielt auch im Tie-Break kühlen Kopf und nährte dank seiner ungewöhnlichen „Korkenzieher-Vorhand“ und der knallharten Rückhand die Hoffnungen auf eine weitere Überraschung. Allerdings konnte der Deutsche eine 4:2-Führung in Satz drei nicht ins Ziel bringen, Cilic schaltete einen Gang hoch und machte auch dank insgesamt 16 Assen den Sack mit vier Spielen in Folge zu. „Ein bisschen Enttäuschung ist schon dabei, aber ich habe eine gute Leistung gebracht und kann das neu gewonnene Selbstvertrauen hier mitnehmen“, konnte Knittel dennoch ein positives Turnierfazit ziehen.

Der nächste Deutsche ging dann zwar als Sieger vom Center Court, war aber mit seiner Vorstellung noch nicht hundertprozentig einverstanden. Schließlich hat Florian Mayer als bester deutscher Tennisprofi und Vorjahreshalbfinalist andere Ansprüche. Mayer beherrschte zunächst seinen türkischen Gegner Marsel Ilhan klar, holte den Qualifikanten aber durch große Probleme beim Aufschlag wieder zurück in die Begegnung, gewann am Ende aber doch mit 6:4, 7:6. „Ich habe das Match eineinhalb Sätze lang im Griff gehabt, danach aber beim Aufschlag den Faden verloren. Heute hat´s noch gereicht, aber gegen einen besseren Spieler wird das sicherlich bestraft. Solche Nachlässigkeiten dürfen mir nicht nochmal passieren“, fordert Mayer von sich schon heute in seinem Achtelfinale gegen Juan Monaco eine deutliche Leistungssteigerung.

Auf dem besten Level in seiner Karriere bewegt sich aktuell ohne Frage Cedrik Marcel Stebe – wer innerhalb von einer Woche Nikolay Davydenko bezwingt, der muss einfach gut drauf sein. Angetrieben von 4000 Zuschauern brachte Stebe nach exakt 111 Minuten den 6:3, 7:5-Sieg über den Rothenbaum-Sieger von 2009 unter Dach und Fach. „Es war einfach Wahnsinn wie die Zuschauer mich gerade auch in den wichtigen Situationen unterstützt haben“, spielte Stebe besonders auf den zweiten Satz an, als sich der Aufschlag für beide Protagonisten nicht gerade als Vorteil erwies. Besonders beeindruckend: Der 20-Jährige ließ sich zu keiner Zeit von der großen Kulisse und dem Weltklasse-Mann auf der anderen Seite des Netzes beeindrucken, sondern spielte einfach nur seinen Stiefel runter. Der verdiente Lohn: Nach seinem ersten Viertelfinale in der Vorwoche in Stuttgart, steht er auch in Hamburg schon wieder im Achtelfinale und – und bleibt dabei komplett auf dem Boden, auch wenn er vielleicht noch nicht ganz realisiert, was da gerade mit ihm passiert.

Fehlt noch das letzte Kapitel der deutschen Erfolgsgeschichte von gestern. Philipp Kohlschreiber profitierte von der verletzungsbedingten Aufgabe des Spaniers Albert Montanes beim Stand von 6:1, 3:2. Montanes ließ sich bereits in der Endphase des ersten Satzes am Nacken behandeln und schüttelte „Kohli“ schließlich nach fünf Spielen im zweiten Durchgang die Hand. „Das muss man sportlich sehen, umso weniger Zeit man braucht, umso besser ist es. Ich glaube bis zum Abbruch habe ich ganz gut gespielt. Ich habe zwar nicht gesehen, wann er sich verletzt hat, aber danach war es schon ein großer Unterscheid“, meint Kohlschreiber, der heute mit einem Sieg über Nicolas Almagro unbedingt zum ersten Mal überhaupt ins Viertelfinale von Hamburg einziehen will.

Ach ja, und da waren ja noch die internationalen Top-Favoriten Gael Monfils gewann in einem „Traum in Lila“ (man muss es aber auch tragen können) gegen den spanischen Qualifikanten Albert Ramos (siehe Geschichte auf Seite fünf), der an zwei gesetzte Jürgen Melzer ließ sich gegen Daniel Gimeon-Traver auch vom Verlust des zweiten Satzes nicht aus dem Konzept bringen und der Fernando Verdasco entschied das rein spanische Duell gegen Stuttgart-Finalist Pablo Andujar.

So ganz nebenbei sorgten Andreas Beck und Christopher Kas für den nächsten Paukenschlag in der Doppelkonkurrenz. Sie bezwangen die Vorjahressieger Marc Lopez/David Marrero mit 6:3 und 6:4 und sind damit die deutschen Hoffnungsträger im Herren-Doppel.