Deutsche zeigen Siegermentalität und Tennis vom Feinsten

Es ist endlich mal wieder eine echte Erfolgsstory – die deutschen Spieler begeistern die Zuschauer am Hamburger Rothenbaum! Sowohl die Lokalhelden Tobias Kamke und Julian Reister als auch Youngster Cedrik Marcel Stebe setzten mit ihren Siegen vor rund 7000 begeisterten Zuschauern auf der Anlage die größten Ausrufungszeichen!

Sommer, Sonnenschein und Spitzentennis – die Besucher erlebten am „Ladies Day“ der bet-at-home Open einen traumhaften Tennistag garniert mit richtig guten Leistungen der deutschen Tennisprofis.

Speziell die „Einheimischen“ schwimmen also auf einer echten Erfolgswelle – und ganz besonders Tobias Kamke. Beflügelt von seinem Erstrundenerfolg am Montag spielte er auch gegen den French Open-Viertelfinalisten Juan Ignacio Chela groß auf und feierte einen mehr als überzeugenden 6:1, 6:4-Erfolg gegen die Nummer sieben der Setzliste. Angefeuert von den Hamburger Tennisfans auf einem gut gefüllten Center Court war Kamke über die komplette Distanz der dominierende Mann und stellte sein großes Selbstvertrauen erneut unter Beweis, indem er wieder von Anfang an Vollgas ging: „Ich versuche immer aggressiv zu spielen und dadurch habe ich ihn von Anfang an den Zahn gezogen und war der verdiente Sieger“, freute sich Kamke niucht über seinen starken Auftritt, sondern auch über die Unterstützung des Publikums. „Es ist toll hier weiterzukommen, schließlich ist Hamburg neben Wimbledon mein absolutes Lieblingsturnier. Wenn man merkt, dass man die Zuschauer begeistern kann, macht das einfach Riesenfreude und ich hoffe, dass mir das noch häufiger gelingt“. Der Lübecker wüsste jedenfalls nicht, warum seine Erfolgssträhne ausgerechnet im Achtelfinale reissen sollte. Dort kommt es entweder zu einem deutschen Duell mit Qualifikant Bastian Knittel oder dem Aufeinandertreffen mit Marin Cilic. „Jetzt habe ich einen Tag Pause und die Zeit an ein paar Schrauben zu drehen, um dann am Donnerstag wieder genauso aufzutreten“, sagt der Schleswig-Holsteiner. Geht der 25-jährige die Aufgabe in der Runde der letzten 16 mit genauso großer Begeisterung an, wie in den ersten beiden Runden jedenfalls alles zuzutrauen.

In der Folge wollte sich dann auch der zweite Lokalmatador, Julian Reister nicht lumpen lassen und stand der Gala-Vorstellung seines besten Freundes Tobias Kamke in nichts nach. Er blieb gegen Guillermo Garcia-Lopez auch den kritischen Situationen stabil und nahm den spanischen Sandplatz-Stier schließlich mit 7:6, 6:2 auf die Hörner. Reister punktete dabei auch auf dem vermeintlich langsamen Sandplatz gerade in der entscheidenden Phase mit seiner offensiven Ausrichtung. „Ich war im ersten Satz noch sehr nervös etwas zu defensiv und er konnte mich durch die Gegend schicken, das habe ich im zweiten Satz geändert und war viel aggressiver. Das war sicher der Knackpunkt und der Schlüssel zum Erfolg,“ gibt Reister einen Einblick in seine Taktik, lässt aber auch seinen Gefühlen freien Lauf: „Das Publikum ist einfach super hier. Das turnt mich richtig an. Ich spiele sehr gut, wenn die Fans hier sind und das muss ich ihnen auch zurückgeben. Mit dem Einzug ins Achtelfinale habe ich meine Leistung aus dem letzten Jahr bestätigt und da bin ich unheimlich froh drüber.“

Für die vielleicht größte Sensation der ersten Runde sorgte aber Newcomer Cedrik Marcel Stebe, der keinen geringeren als den Stuttgart-Sieger Juan Carlos Ferrero aus dem Turnier schmiss.

Quasi als i-Tüpfelchen setzte dann Philipp Kohlschreiber noch einen drauf. Der Augsburger wurde seiner Favoritenrolle gegen Vorjahressieger Andrey Golubev gerecht und bejubelte dank eines 7:5, 6:3 den Einzug in die zweite Runde. Kohlschreiber konnte besonders in den wichtigen Momenten seine Qualitäten ausspielen. Im ersten Durchgang musste er auch einen Satzball abwehren. „Es haben nur ein paar Punkte den Unterschied ausgemacht. Ich bin immer gut zurückgekommen und konnte auch das Spiel bestimmen, denn wenn er Zeit hat, spielt er einen unglaublichen Ball“, sprach „Kohli“ und orientierte sich auch noch an seinen erfolgreichen Landsleuten: „Tobias und Julian haben es vorgemacht. Ich werde jetzt versuchen, nachzuziehen.“

Dabei war der Auftakt in den zweiten Turniertag aus deutscher Sicht nicht wirklich verheißungsvoll. Philipp Petzschner legte nämlich einen glatten Fehlstart und verlor nach einer enttäuschenden Leistung gegen den Türken Marsel Ilhan im Tie-Break des dritten Satzes. Petzschner haderte dabei sowohl mit dem fehlenden Quäntchen Glück als auch mit zahllosen leichtfertigen Fehlern.

Trotz einer starken kämpferischen Leistung musste auch Andreas Beck bereits in Runde eins die Segel streichen. Der Ravensburger musste trotz lautstarker „Andy, Du packst das“-Rufe seiner Fans die Überlegenheit von Radek Stepanek anzuerkennen. Der Tscheche nutzte nach 114 Minuten seinen ersten Matchball mit einem Ass und machte seiner Erleichterung über das 7:5, 7:5 durch einen echten Urschrei Luft. Schließlich leistete Beck erheblichen Widerstand und ließ in der entscheidenden Phase des zweiten Satzes auch einige Breakchancen ungenutzt.