Mayers Traumreise endet im Halbfinale – Endspiel Golubev vs. Melzer

Am Ende hat die Kraft nicht gerreicht. Florian Mayer hat die Finalteilnahme bei den German Open Tennis Championships 2010 am Hamburger Rothenbaum verpasst. Nach 1:42 Stunden musste sich der Bayreuther vor 8000 Zuschauern auf dem Center Court dem Kasachen Andrey Golubev mit 6:7 (6), 3:6 geschlagen geben. Golubev spielt morgen (14 Uhr) im Finale gegen den Österreicher Jürgen Melzer.

Man konnte deutlich sehen, dass ich körperlich nicht mehr bei 100 Prozent war. Andrey hat super gespielt und war unheimlich aggressiv und hat verdient gewonnen“, musste Mayer einräumen. „Ich glaube Ferrero hätte das Match heute auch nicht gewonnen, wenn er mich geschlagen hätte“, erklärte Mayer, der schon am Samstagmorgen beim Aufstehen wusste dass es schwer wird. Dabei fand der Deutsche in seinem roten „Glücksshirt“ zunächst gut ins Spiel, konnte ein frühes Break aber nicht transportieren, weil sein Gegner über weite Strecken einfach spritziger wirkte. „Die Beine waren schwer und deshalb war ich häufig ein, zwei Schritte zu spät dran“, analysierte Mayer, der im Tie-Break des ersten Satzes noch einmal alles versuchte. Nach einem 2:6-Rückstand wehrte der ehemalige Wimbledon-Viertelfinalist vier Satzbälle ab, um den Durchgang dann aber doch abzugeben. Die ganz große Wende in Satz zwei blieb dann aus. „Ich konnte heute definitiv nicht an meine vorherigen Leistungen anknüpfen“, kommentierte Mayer die Überlegenheit seines Gegners, der seinen vierten Matchball verwandelte. Unter dem Strich steht für den Deutschen aber natürlich eine fantastische Turnierwoche: „Ich habe gegen drei sehr gute Spieler gewonnen, dabei auch spielerisch überzeugt und gezeigt wie fit ich bin“, befand Mayer, der spätestens seit dieser Woche bei den Hamburger Zuschauern ein Stein im Brett hat.

Andrey Golubev geht derweil als Außenseiter in das morgige Finale gegen Jürgen Melzer. Der Niederösterreicher funktioniert in diesem Jahr am Rothenbaum wie ein guter Sportwagen – immer wenn´s ernst wird, kann er noch einen Gang hochschalten. Genauso war es auch im Halbfinale gegen Andreas Seppi: Melzer kontrollierte das Match über weite Strecken und bewies in den wichtigen Momenten den Killerinstikt, der einen Weltklassespieler ausmacht. 6:4, 6:2 Nach 78 Minuten – der Niederösterreicher konnte Kraft für das finale Kräftemessen mit Andrey Golubev sparen und bleibt, wie sein Gegner, weiterhin ohne Satzverlust im Turnier.

Zudem liefert der 29-Jährige an der Elbe einen Beweis nach dem anderen, dass er zu Recht zu den besten 15 Tennisspielern dieses Planeten gehört. Der Einzug ins Halbfinale der French Open im Juni war alles andere als Eintagsfliege – das mittlerweile jeder Tennisfan gemerkt. „Ich treffe einfach häufiger die richtigen Entscheidungen auf dem Platz und das gibt einem unheimlich viel Selbstvertrauen. Außerdem ist sicher auch der Respekt der Gegner vor mir etwas größer geworden“, erklärte Melzer einen kleinen Teil seiner jüngsten Erfolge. Am Rothenbaum freute er sich bisher vor allem über den großen Zuspruch der Zuschauer: „Vielleicht habe ich mich durch den Wimbledonsieg mit Philipp auch etwas in die Herzen der deutschen Tennisfans gespielt.

Heute wartet auf Melzer sein neuntes Finale auf der ATP Tour – gewinnen konnte er lediglich zwei. „Ich gehe sicher nicht auf den Platz um zu verlieren, sondern will unbedingt noch einen drauf setzen“; hofft der Niederösterreicher auf die Krönung seiner überzeugenden Hamburg-Woche. „Ich werde nicht auf den Gegner schauen, sondern einfach mein Match spielen. Ein Gegner muss momentan schon einen besonders guten tag haben um mich zu schlagen“, sagt Österreichs Nummer eins voller Selbstvertrauen und wirkt dabei unheimlich fokussiert. Keine Frage: Melzer hat den Siegerpokal in Hamburg fest im Visier.