Das Mayer-Märchen geht weiter – erster deutscher Halbfinalist seit 1997 – jetzt wartet Golubev

Es war exakt 20.15 Uhr am gestrigen Freitagabend: Gerade hatte sich ein Regenschauer über dem Tennisstadion am Rothenbaum entleert, als unter dem geschlossenen Dach ein Jubelorkan losbrach. Eine Rückhand von Juan Carlos Ferrero flog ins Aus  – und Florian Mayer stand als erster deutscher Spieler seit Tommy Haas 1997 im Halbfinale der German Open! Der Bayreuther ließ sich rücklings in den Hamburger Sand fallen und genoss für einen kurzen Moment den ohrenbetäubenden Jubel der 7500 restlos begeisterten Zuschauer.  Minutenlange Standing Ovations folgten, fast schien es so als sollte Mayer wie ein Pop-Star noch mal zur Zugabe gebeten werden. 6:7 (3), 6:2, 6:3 – das sind die Zahlen eines geschichtsträchtigen Erfolgs für den Deutschen, der sich mit dem ehemaligen Weltranglistenersten Ferrero einen Kampf auf allerhöchstem Niveau lieferte.

„Diese Unterstützung der Zuschauer unter dem Dach war einfach unglaublich“ (Florian Mayer)

Brillante Ballwechsel und ein packender Kampf mit umjubeltem Ende – die Hamburger Tennisfans kamen voll auf ihre Kosten.  „Diese Unterstützung der Zuschauer unter dem Dach – das war einfach unglaublich“, sagte Mayer völlig entkräftet, startete aber genau wie bei seinem Achtelfinaleinzug vor sechs Jahren noch eine LaOla-Welle mit den Zuschauern. Der Bayreuther kämpfte verbissen um jeden Punkt, spielte spätestens ab Mitte des zweiten Satzes sowohl über die Vor- als auch über die Rückhand enorm druckvoll sowie variantenreich und zwang Ferrero immer wieder zu Fehlern und blieb auch nachdem das Dach über dem Center Court wegen eines heraufziehenden Regenschauers geschlossen wurde einfach cool. Am Ende stand Mayers erster Sieg im fünften Vergleich mit dem French Open-Sieger von 2003.

Nach dem Match hieß es für Mayer, der in den vergangenen Tagen mit einer Oberschenkelzerrung zu kämpfen hatte, so schnell zu regenerieren wie nur möglich: „Ich werde morgen  alles geben und versuchen das Finale zu erreichen, auch wenn sie mich danach aus dem Stadion tragen müssen.“

Im Kampf um´s Finale bekommt es der deutsche heute mit Andrey Golubev zu tun. Der Kasache schaltete nach dem Russen Nikolay Davydenko auch den Usbeken Denis Istomin mit 6:4, 6:1 aus und überzeugte erneut mit seinem enorm schnellen Spiel. Einen Tag nach seinem 23.Geburtstag beschenkte sich Golubev somit nochmals selbst und bleibt weiterhin ohne Satzverlust im Turnier – wenn es nach den deutschen Fans geht, dann soll sich das heute sicher nicht unbedingt fortsetzen.