Reister scheitert hauchdünn – Deutsche Hoffnungen ruhen auf Mayer – Davydenko raus

Mensch Mayer, welch ein Match! Florian Mayer steht zum ersten Mal im Viertelfinale der German Open Tennis Championships 2010. Der Bayreuther bestätigte seine starke Form, die er bereits in seinen beiden ersten Matches an den Tag legte, auch im Achtelfinale und schoss Maximo Gonzalez aus Argentinien mit 7:6 (1), 6:0 vom Platz. Die entscheidende Phase hatte die Partie im Tie-Break des ersten Satzes, als Mayer ernst machte und seinen Kontrahenten regelrecht demoralisierte. Gonzalez haderte anschließend immer wieder mit sich selbst und fand nicht mehr zu seinem Spiel zurück, Mayer war dagegen nicht mehr zu stoppen.

„Es ist überwältigend – das Publikum hat mich zum Sieg getragen“, bedankte sich Mayer auch bei den rund 5000 begeisterten Zuschauern für die Unterstützung. Florian Mayer in der Form seines Lebens? Dann ist auch im Viertelfinale gegen Juan Carlos Ferrero einiges drin. Der Spanier musste zum zweiten Mal in diesem Turnier über die volle Distanz gehen, um den unheimlich quirligen Finnen Jarkko Nieminen nach 1:45 Stunden mit 6:2, 3:6, 6:4 auszuschalten.

 „Ich hätte den Hamburgern gerne noch ein Spiel geschenkt“ (Julian Reister)

Für Julian Reister hat es nicht gereicht. Der Hamburger Publikumsliebling musste sich trotz der frenetischen Unterstützung der hanseatischen Fans dem Usbeken Denis Istomin mit 6:3, 3:6, 6:7 (3) geschlagen geben. „Ich hätte den Hamburgern gerne noch ein weiteres Spiel geschenkt“, zeigte sich Reister nach der unglücklichen Niederlage zwar enttäuscht, wusste seine Leistung aber auch richtig einzuordnen. „Er hat im Tie-Break einfach unglaublich serviert“, musste der Reinbeker den starken Auftritt von Istomin schlicht und ergreifend anerkennen. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Reister viel Potenzial besitzt, um die Weltelite in den nächsten Jahren noch gehörig aufzumischen. Dabei war für ihn der Achtelfinaleinzug in Hamburg noch wertvoller als sein Drittrundenmatch gegen Roger Federer in Roland Garros. „Emotional bedeutet mir dieser Erfolg hier zu Hause natürlich mehr.“

Denis Istomin bekommt es heute völlig überraschend mit dem Kasachen Andrey Golubev zu tun, der Nikolay Davydenko am späten Donnerstagabend in einem „High Speed-Thriller“ mit 6:4, 6:4 aus dem Turnier warf. Auf alle Fragen, die Davydenko seinem gegenüber stellte, hatte Golubev die bessere Antwort und wurde für sein unheimlich spektakuläres Angriffstennis belohnt. Damit steht auch fest, dass am Sonntag ein neuer Name die Rothenbaum-Siegerlisten zieren wird, denn keiner der acht Viertelfinalisten konnte bisher je in Hamburg gewinnen. 

Kohlschreiber ausgeschieden

Deutschlands Nummer eins Philipp Kohlschreiber blieb der Einzug unter die besten acht Spieler des größten deutschen Tennisturniers allerdings verwehrt. Nach seinem Auftaktsieg über Juan Ignacio Chela aus Argentinien, konnte „Kohli“ das zweite Duell mit einem südamerikanischen Kontrahenten nicht zu seinen Gunsten entscheiden und unterlag Thomaz Belluci mit 5:7, 4:6. Besonders der erste Durchgang (63 Minuten Spielzeit) war ein harter Kampf mit Haken und Ösen. Speziell Kohlschreiber schien dabei in den entscheidenden Momenten ein wenig das Zutrauen in die eigenen Stärken verloren zu haben. Letztlich konnte Kohlschreiber die anvisierte Leistungssteigerung zu seinem Auftaktmatch nicht umsetzen. Belucci spielt heute gegen den Südtiroler Andreas Seppi, der auch nach seinem 6:4, 6:4 über seinen Landsmann Fabio Fognini weiter ohne Satzverlust im Turnier ist.

Ebenfalls eine Runde weiter sind der immer stärker aufspielende French Open-Halbfinalist Jürgen Melzer aus Österreich (7:5, 7:6 (4) gegen Jeremy Chardy) und Sandplatzspezialist Potito Starace aus Italien (4:6, 6:4, 6:4 gegen Pere Riba (Spanien).