Jeder Tag ist Waschtag

Seit einer Woche laufen die Waschmaschinen auf Hochtouren – von 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr drehen sich die Wäschetrommeln rasend schnell im wechselnden Drehrhythmus – rechtsherum, linksherum – um die horizontale Achse. Durch das Bullauge an der Vorderseite der Waschmaschinen sieht man weiße Socken, weiße Shirts und Shorts. Willkommen in der kleinen Wäscherei am Hamburger Rothenbaum!

Elfriede Sell und ihre Schwester Renate Klessig waschen seit 1979 die Sportkleidung der Tennisspieler während des Tennisturniers in Hamburg. Dieses Jahr feiern sie ihr 30. Jubiläum. Die beiden Rentnerinnen sorgten bereits dafür das Ivan Lendl, Boris Becker und Michael Stich strahlend weiß auf den Center Court erschienen. Jetzt ist die neue Generation dran – und damit auch mehr Buntwäsche.

Am frühen Vormittag leert Renate Kessig bereits die erste Trommel. An der Waschmaschine hängt ein Zettel. Darauf steht „Simon Greul“. „Damit wir hier keine Kleidung durcheinander kriegen“, sagt Renate und packt die erste „Greul-Wäsche“ in den „Greul-Trockner“. Vier Waschmaschinen – AEG, Miele, Bosch – und fünf Trockner stehen sich auf 12 Quadratmetern gegenüber, dazwischen hängen rote und braune Wäscheleinen mit bunten Klammern.

Viel Platz, um die Wäsche zu sortieren, haben die beiden nicht. Aber das stört sie nicht. Sie sind bestens organisiert. Wenn ein Spieler durch die große Luke in den Waschraum schielt und seine Kleidung abgibt, wird diese sofort mit dem Namen des Profis versehen, später wird die Wäsche sortiert – in Bunt – und Weißwäsche. Einen Tag später können die Spieler ihre Kleidung wieder abholen. Wenn sie jammern, gehe es aber auch schneller.

45 Waschmaschinen laufen am Tag durch, 20 Kilogramm Waschpulver –  Weißer Riese und Persil – werden in der Rothenbaum-Woche benötigt. Gewaschen wird bei 40 Grad. In der Regel kriegt man damit die rote Asche aus der Kleidung. „Wenn man schon alte Socken hat, wie die hier, die kriegt man natürlich nicht mehr ganz weiß. Die sind schon richtig abgenutzt“, erklärt Frau Kessig. Gebügelt wird nur, wenn es unbedingt sein muss.

Während ihre Schwester gerade für einen Spieler einen Sponsorensticker mit der Hand auf das T-Shirt näht – ein Sonderservice der Beiden – kommt Patrik Kühnen vorbei: „Meine wunderbare Wäsche hätte ich gerne.“ Mit einem Griff nimmt Renate die durchsichtige Wäschetüte aus dem Holzregal. Gleich daneben liegt die saubere und gut duftende Wäsche von Henri Leconte, Julien Benneteau und Victor Hanescu. „Die Spieler sind alle sehr freundlich und dankbar. Die meisten kennen uns ja auch schon.“ Zwar sprechen die Schwestern kein Englisch, aber die Kommunikation funktioniert immer. Ein Lächeln der Spieler sage ja auch schon eine Menge aus. Für die beiden Schwestern ist das Turnier ein echtes Highlight. Sie freuen sich das ganze Jahr über auf die Turnierwoche, weil es einfach eine schöne Abwechslung ist.