Brands schlägt topgesetzten Simon – Auch Kohlschreiber und Mayer weiter

Es ist die Riesenüberraschung der International German Open am Hamburger Rothenbaum! Daniel Brands aus Bogen bei Straubing in Niederbayern hat den Weltranglistensiebenten Gilles Simon aus Frankreich mit einer Leistung der Extraklasse am gestrigen Abend vom Center Court gefegt. Der „bayerische Riese“ kämpfte sich nach verlorenem ersten Satz vor allem mit seinem unwiderstehlichen Service zurück ins Match und verwandelte nach 2:11 Stunden seinen fünften Matchball mit einem Ass über den 2.Aufschlag. Am Ende hieß es 3:6, 6:4, 6:3 für den Wildcardspieler, der sein Glück gar nicht fassen konnte, als ihn die Besucher mit Standing Ovations feierten. Für Brands war es der erste Sieg im ersten Duell gegen einen Top Ten-Spieler.

„Wie mich das Publikum unterstützt hat, war einfach unglaublich. Das hat mich unheimlich gepusht. So etwas habe ich noch nie gelebt“, sagte Brands noch auf dem Court, um noch hinzuzufügen: „Das war vielleicht das beste Tennis, das ich je gespielt habe. Wenn ich so weiter spiele, dann kann es noch weit gehen.“

Je länger die Partie dauerte, desto mehr gewann der Wildcardspieler an Selbstvertrauen und diktierte das Match mit seinem glasharten Aufschlag, der präzisen Vorhand aber auch einer sehr mutigen Spielweise mit zahlreichen gelungenen Netzangriffen – eine Ausnahmeleistung in einer prickelnde Atmosphäre, die Lust auf mehr macht. Im Achtelfinale wartet jetzt Paul-Henri Mathieu, der gegen Pere Riba aus Spanien im Tie-Break des dritten Satzes gewann.

Auch Philipp Kohlschreiber hat sich mit einem Drei-Satz-Sieg ins Achtelfinale gespielt. Der Augsburger verwandelte unter dem Jubel von 7500 Zuschauern auf dem Center Court nach 1:57 Stunden seinen fünften Matchball zum 6:2, 4:6, 6:4 gegen den Italiener Potito Starace. Für seinen Erfolg musste „Kohli" allerdings hart arbeiten. Qualifikant Starace agierte mit einer sehr geringen Fehlerquote und machte dem Deutschen das Leben schwer, als er in der Endphase des zweiten Durchgangs gleich seinen ersten Satzball nutzte. Im entscheidenden Satz hatte dann aber doch der Deutsche das bessere Ende für sich.

„Das letzte Spiel war besonders unangenehm, aber es hat ja zum Glück noch gereicht. Ich muss einfach daran arbeiten, mich nicht zu sehr nach hinten drängen zu lassen. Dann werde ich zu passiv. Meine Stärke ist es knapp hinter der Grundlinie stehend in den Platz hineinzuarbeiten", beschreibt Kohlschreiber seine Marschroute, die ihn in Hamburg noch weit führen soll. „Kohlis“ Gegner im Achtelfinale ist am Donnerstag Pablo Cuevas aus Uruguay, der den an Position neun gesetzten Jürgen Melzer etwas überraschend mit 7:6, 6:3 bezwang.

Neben Österreichs Nummer eins musste in Tommy Robredo ein weiterer gesetzter Spieler die Segel streichen. Der an Nummer vier eingestufte Rothenbaum-Sieger von 2006 unterlag seinem spanischen Landsmann Ivan Navarro in einer zähen Partie mit 5:7, 6:7. Auch der an fünf gesetzte Schweizer Stanislas Wawrinka musste gleich nach seinem Auftaktmatch die Koffer packen. Er verlor gegen Kitzbühel-Sieger Guillermo Garcia-Lopez klar 2:6, 4:6.

Wildcardspieler Florian Mayer hat unterdessen das deutsche Erstrundenduell bei den International German Open gewonnen. Der Bayer besiegte, Rainer Schüttler, mit 6:7, 6:3, 6:3. Mit zunehmender Spieldauer fand der Bayreuther immer besser zu seinem Rhythmus. Schüttler musste sich im letzten Satz mit einer Verletzung an der linken Wade gleich mehrfach behandeln lassen und hatte nichts mehr entgegenzusetzen. „Das war eine Wadenverhärtung, es ist aber nichts wirklich Schlimmes“, diagnostizierte Schüttler seine Verletzung, die ihm letztlich das Match kostete.

„Ich habe mich im ersten Satz viel zu sehr über mich selber geärgert, weil meine Vorhand nicht gekommen ist. Erst Mitte des zweiten Satzes bin ich dann ruhiger geworden“, erklärte Mayer sein „Siegrezept“.