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Rothenbaum-Debüt für Kevin Krawietz

Mit fünf Jahren stand er zum ersten Mal auf dem Tennisplatz, sieben Jahre später war er bereits Kaderspieler, im Alter von 17 Jahren gewann er Wimbledon. Klingt gut. Eine Bilderbuchkarriere. Kevin Krawietz hat es vorgemacht – bei den Junioren. Der Sprung ins Profitennis ist jetzt dran. Beim ersten ATP-Turnier seiner noch jungen Karriere hat der beste deutsche Nachwuchsspieler eine Wildcard vom Turnierdirektor Michael Stich erhalten und war bei seinem Debüt gestern auf dem Court M1 gegen den Tschechen Jan Hernych merklich nervös. Nach sieben Spielverlusten zu Beginn kämpfte sich der Deutsche doch noch ins Match, nahm Hernych immerhin einen Satz ab, unterlag aber am Ende doch mit 0:6, 6:4, 3:6.

„Klar ist man nervös bei seinem ersten ATP-Turnier“, erklärte Kevin. Am Samstag hat der Rechtshänder bereits eine Stunde lang mit Michael Stich trainiert – ganz nach dem Motto: Wimbledonsieger meets Wimbledonsieger.

Bevor Kevin lesen, schreiben und rechnen konnte stand er schon mit seinem Vater auf dem Tennisplatz – in Coburg. Der Vereinstrainer – überzeugt von Kevins Talent – sprach die Eltern an und schon war der kleine blonde Bub im Gruppentraining mit dabei. Als Kevin das 12. Lebensjahr erreichte, war er kein „normaler“ Teenager mehr, der nach der Schule in Ruhe seine Hausaufgaben machte und mit Freunden um den Block zog. Kevin war bereits Leistungssportler und musste sich endgültig für eine Sportart entscheiden. Tennis oder Fußball? „Tennis“ lautete die Antwort und fortan konzentrierten sich die Eltern – beide Versicherungsangestellte bei der HUG – auf Kevins Karriere.

Wirklich überrascht ist niemand von Kevins aufstrebender Karriere – überzeugt allerdings schon. Der Junge ist zielstrebig und bewahrt in den entscheidenden Situationen die Ruhe. „Kevin hat unfassbar, in den wichtigen Phasen teilweise unmenschlich gespielt und das Doppel zum Sieg geführt“, resümierte Pfannkoch nach dem Wimbledonsieg seines Schützlings.

In seiner Heimatstadt Coburg wurde Deutschlands bester 17-Jähriger gefeiert. Nachbarn bemalten Bettlaken, und Fernsehsender besuchten Familie Krawietz zu Hause. Zu Kopf steigt Kevin die Euphorie um seine Person nicht – er bleibt auf dem Boden. Bodenständig klingen auch seine Ziele: „Gesund bleiben und die Top 50 der Welt erreichen.“

Kevins Eltern versuchen den jungen Tennisprofi so oft es geht auf den Turnieren zu begleiten – dafür geht in der Regel der ganze Urlaub der Familie drauf: „Wir möchten Kevin so gut es geht unterstützen. Wenn Kevin etwas auf der Seele hat, kann er das nicht unbedingt mit seinem Trainer besprechen, mit seiner Familie dagegen immer.“

Zu Hause ist er jetzt nur noch selten. Vor einem Jahr verließ der Bayer mit der Mittleren Reife in der Tasche die Schule, seit Anfang des Jahres ist die FORMAXX TennisBase in Oberhaching sein Zuhause – dort trainiert unter anderem auch Philipp Kohlschreiber. Genau in dessen Fußstapfen möchte auch Krawietz einmal treten.